Freitag, 13. Oktober 2017

Diskussion zum Ethnopluralismus

Ich hatte eine sehr interessante Diskussion auf Twitter und möchte versuchen diese in diesem Artikel noch einmal etwas geordneter aufzufassen bzw. meine Meinung/Position und vielleicht auch mein Beweggründe, diese Meinung zu vertreten, deutlich zu machen.
Es geht um die Themen Ethnopluralismus, Rassismus und die Frage nach einer Leitkultur. Ich weise darauf hin, dass es hier nicht darum geht, eine wissenschaftlich vollkommen ausgearbeitete Antwort auf die Fragen zu geben, sondern eher meinen eigenen Bezug herauszuarbeiten (ist eben ein persönlicher Blog).
Zunächst möchte ich meine Sicht auf den Ethnopluralismus darstellen und warum ich das Konzept befürworte:
Das erste Mal als ich das Wort Ethnopluralismus gehört habe, ist mittlerweile schon einige Jahre her. Ich habe mich mit einer Freundin unterhalten, das Grundthema weiß ich gar nicht mehr genau, aber ich weiß noch, dass es darum ging, dass ich mich über die westliche Hegemonie und Ausbreitungsstrategien aufgeregt habe. Ich selbst vertrete die Meinung, dass jedes Land (bzw. dessen Bevölkerung) selbst am Besten weiß, was für es das Richtige ist und dass eine Entwicklung von Innen heraus kommen sollte (was nicht ausschließt, dass man Entwicklungshilfe leisten kann etc.). Auch die Einstellung, dass alles westliche unbedingt „besser“ und „weiter entwickelt“ ist, finde ich eher arrogant und überheblich. Ich wünsche mir, dass man nicht versucht andere Länder zwangsweise zu „demokratisieren“ oder denen unsere Kultur zu vermitteln. Auch die Geschichte zeigt, dass dadurch häufig nicht nur positive Entwicklungen entstanden sind. Jede eigene Kultur der unterschiedlichen Länder ist schützenswert, wir haben eine so wundervolle kulturelle Vielfalt auf der Welt, die ich gerne erhalten möchte. Ich möchte die Kultur und die Einstellung eines jeden Landes gleichermaßen respektieren.
Aufgrund dieser und ähnlicher Äußerungen meiner Meinung bekam ich dann die Antwort „Das ist Ethnopluralismus, das ist rechts!“. Und da „rechts“ allgemein als „böse“ verschrien war, war die Diskussion damit leider beendet. Ich blieb zurück mit der für mich verständnislosen Frage, was daran schlecht sei, wenn ich andere Völker und Kulturen gleichberechtigt respektieren und denen nicht mein Weltbild aufdrücken möchte.
Mittlerweile habe ich mich umfangreicher mit dem Ethnopluralismus und dessen Ausgestaltung befasst. Und dabei bin ich auch wieder auf die Gegner getroffen, die behaupten, Ethnopluralismus sei rassistisch bzw. eine rechtsextreme Einstellung. So auch bei Twitter:
 

 
Hier gleich der erste immer wieder behauptete Fehler im Zusammenhang mit Ethnopluralismus: Es geht nicht darum, das Völker sich nicht mischen und jeder unter sich bleiben soll. Es hat schon immer Zuwanderung und auch Familien mit unterschiedlicher Herkunft gegeben und das war und ist kein Problem (Vor allem hat es wenig mit irgendwelchen „Menschenrassen“ zu tun, sondern mit bestimmten kulturellen Eigenarten). Ein Problem entsteht erst dadurch, wenn der Anteil derjenigen aus einer fremden Kultur so groß ist, dass diese sich nicht mehr an die vorherrschende Kultur anpassen, sondern diese verdrängen. Wenn man sich die aktuellen Entwicklungen ansieht geschieht in Europa zurzeit leider genau das: Kindergärten verzichten aus Rücksichtnahme auf Schweinefleisch , Weihnachtsgebäck wird plötzlich als „winterliche Köstlichkeiten“ deklariert und Weihnachtskrippen aus Rücksicht vor Muslimen nicht aufgestellt.
 
Wie ich schon mal in anderen Texten erwähnt habe, bin ich selbst tatsächlich in einem kleinen Ort mit einem sehr hohen Anteil Migranten bzw. Personen mit Migrationshintergrund aufgewachsen. Ich bin aufgewachsen mit mehr Muslimen als Katholiken in meiner Grundschulklasse, mit Freunden aus den unterschiedlichsten Kulturen und empfand das als normal. Die kulturelle Vielfalt, die ich als Kind genossen habe, empfand ich auch als interessant und schön: Ich habe christliches Weihnachten gefeiert und ebenso muslimisches Zuckerfest. Gegessen haben wir Lamacun, gefüllte Weinblätter, Pelmeni oder Borschtsch. Ich wusste schon als Grundschulkind, dass es einen Konflikt zwischen Türken und Kurden gibt und Serbien und Kosovo sich ebenfalls nicht so grün sind. Natürlich gab es in meinem Umfeld Beleidigungen aufgrund der Herkunft (auch innerhalb besagter Bevölkerungsgruppen), auch „deutsch“ wurde gerne als Synonym für langweilig verwendet. Aber das, was ich erlebt habe und die anderen bei uns im Dorf würde ich nicht als Rassismus bezeichnen, das die Machtkomponente völlig fehlte: Es gab bei uns keine vorherrschende Gruppierung.
Wenn man nun aus einer Welt ohne Rassismus kommt, eine Welt, in der jeder seine Kultur und seine Eigenarten lebt – und auch stolz darauf sein kann. In eine Welt, in der es plötzlich gesellschaftlich akzeptiert ist, die eigene Kultur zu beleidigen, zu verdrängen und herunterzumachen. In eine Welt, in der sich die Deutschen immer mehr zurücknehmen müssen und man mit jedem Schritt aufpassen muss, dass etwas ja nicht irgendwelche Migranten beleidigt etc. In eine Welt in der es völlig en vogue ist Deutsche als Kartoffeln zu bezeichnen während ich bei anderen schon aufpassen muss, nicht schwarz (PoC ist wohl aktuell die korrekte Bezeichnung) zu sagen ohne als Rassist verschrien zu werden. Dann merke ich, dass da irgendetwas falsch läuft!
Wenn es verpönt ist, zu fordern, dass in Deutschland deutsch gesprochen wird (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/csu-will-dass-migranten-zuhause-deutsch-sprechen-a-1006932.html) dann fehlt etwas. Es fehlt die Stärkung der eigenen Kultur und Identität, die gerade dazu dient, kulturellen Austausch erst zu ermöglichen. Bei uns in der Grundschule war es übrigens die Regel, dass Deutsch gesprochen wird. Und jedesmal, wenn jemand sich in einer anderen Sprache (russisch, albanisch, arabisch, türkisch, polnisch…) unterhalten hat, wurde von den Lehrern darauf hingewiesen, dass wir in Deutschland sind und man dort deutsch zu sprechen hat. Gerade die Sprache ist enorm wichtig für alle in Deutschland Lebenden!
 
Ethnopluralismus bedeutet für mich also nun, dass diejenigen, die in ein Land einwandern, sich an die vorherrschende Kultur anzupassen haben. Sie müssen die Gesetze akzeptieren, die Sprache sprechen und sollten nicht versuchen, ihre eigenen Gepflogenheiten zum gesellschaftlichen Standard zu erheben. Außerdem sollte man hingegen die eigene kulturelle Identität stärken und nicht im vorrauseilendem Gehorsam sich zurücknehmen. Anpassung kann nur funktionieren, wenn es klar ist, woran man sich anpassen soll. Allgemein wurde in der Diskussion das Wort „Leitkultur“ verwendet. Auf Twitter entstand die folgende Fragestellung, da ich eben erwähnt hatte, dass ich kein Problem bei einer Zuwanderung weniger sehe, aber dass die eigene Kultur verdrängt wird, wenn die Anzahl derjenigen, die einwandern zu groß ist:
 
 
 
Ob ein Anteil von 5% jetzt wenige sind, hängt davon ab, ob sie gleichmäßig verteilt sind oder sich so sehr auf wenige große Städte konzentrieren, dass der Anteil dort über 50% beträgt.
Viel schwieriger ist allerdings die Frage nach der starken Leitkultur. Während unsere Integrationsministerin abstreitet, das es eine solche überhaupt gibt/geben sollte sehe ich das anders: Ich stimme zu, dass es schwierig ist, eine Leitkultur zu identifizieren, aber dennoch wichtig. Es gibt natürlich auch regionale Unterschiede, beispielsweise ist der Krampus als Begleiter des Nikolaus Teil der Kultur im Alpenraum, in Norddeutschland aber nahezu unbekannt. Kulturelle Identität/Leitkultur ist also nicht nur eine rein nationale Frage, sondern auch eine regionale. Gewisse Bestandteile sind allerdings deutschland- oder sogar europaweit zu finden wie beispielsweise ein starker Bezug zum Christentum (auch wenn viele europäische Staaten sich als säkular verstehen). Viele kulturelle Eigenarten erkennen die meisten, die nicht viel Kontakt zu anderen Ländern/Kulturen hatten gar nicht, da es ihnen nicht als solches vorkommt. Besonders interessant ist daher auch das Gespräch mit Menschen anderer Herkunft (Einwanderer, Touristen) darüber, was sie als „deutsch“ empfinden. So kann man der Beschreibung einer solchen Kultur schon sehr nahe kommen. Aber wenn man ehrlich ist, weiß eigentlich jeder, was Bestandteil seiner Kultur ist (auch wenn man nicht immer in der Lage ist, das in Worte zu fassen), wie auch mein Diskussionspartner auf Twitter richtig schreibt: Kultur ist was Gefühltes.
Daneben aber natürlich auch etwas Gelebtes: Sprache, Werte, Brauchtum. Die Anpassung an eine Leitkultur funktioniert aber wie bereits geschrieben nur, wenn die Menge der Zuwanderer nicht zu groß ist. Dazu auf Twitter: 
 
 
Da werden gleich mehrere Denkfehler gemacht: 1. Weder geht es beim Ethnopluralismus um eine komplette Verhinderung von Migration, noch um einen kompletten Einschluss ohne Kontakte zu anderen Ländern/Kulturen. 2. Die Forderung nach Rückführung betrifft in den wenigsten Fällen legale angepasste Einwanderer oder sogar Menschen, die bereits hier geboren sind. In erster Linie sollten illegal Eingewanderte und Verbrecher wieder in ihr Land abgeschoben werden. Es sollen also niemandem irgendwelche Rechte entzogen werden, da diese Personengruppen gar nicht das Recht haben, sich in Europa aufzuhalten. Außerdem sollte man die bestehenden Regelungen und Gesetzgebungen wie das Asylrecht und die Genfer Flüchtlingskonvention anwenden, was natürlich auch bedeutet, dass die Menschen, wenn die Gefahr in den Heimatländern vorüber ist, wieder zurückkehren. Eine Rückkehr kann übrigens nicht nur über Zwang stattfinden, sondern auch über Hilfe und Unterstützung, dass diejenigen sich in ihren Herkunftsländern ein gutes Leben aufbauen können. Auch Menschen, die aus ihrer Heimat wegen Not geflohen sind, haben natürlich einen Bezug zu eben dieser und es ist nur verständlich, wenn diese zurückwollen. Schade, dass für viele Menschen in Deutschland gar nicht ersichtlich ist, dass es nicht gezwungenermaßen darum geht, all diese Menschen zu integrieren, sondern ihnen Schutz zu bieten und dann eine Heimkehr zu ermöglichen.
Auch viele Deutsche sind nach Ende des 2. Weltkriegs wieder zurückgekehrt, weil es eben nie darum ging, dass die Kultur in dem anderen Land so viel schöner ist, sondern um Schutz.
 
Jetzt ist der Text schon viel länger geworden als ursprünglich geplant und trotzdem könnte ich noch so viel mehr schreiben. Als Fazit möchte ich nochmal kurz zusammenfassen, warum ich das Konzept des Ethnopluralismus als positiv empfinde und gerade kulturelle Vielfalt darin verwirklicht sehe:
Jede Kultur/jedes Volk sollte gestärkt und geschützt werden. Man richtet sich gegen Kolonialisierung und Universalismus, da jede Kultur ihre eigenen Eigenarten hat und die westliche Welt nicht das Recht haben sollte, darüber zu richten. Durch die Stärkung der eigenen Identität überall entsteht eine wunderbare Vielfalt der Kulturen! 
 

Sonntag, 8. Oktober 2017

Dem Hass mit Liebe begegnen!

Hass im Netz oder HateSpeech, wie es neudeutsch gerne gesagt wird, begegnet einem immer häufiger (ja, vermutlich ist Hass als Wort zu hoch gegriffen, aber ich verwende es, da es heute im allgemeinen Sprachgebrauch für das Phänomen genutzt wird, auf das ich hier eingehen möchte). Danke des neuen NetzDG bleiben wir nun von einigem davon verschont. Natürlich klar, dass nicht mehr das tatsächliche Recht bzw. ein Richter entscheidet, was jetzt eine Beleidigung oder Volksverhetzung ist, sondern das wird schön ausgelagert an die Unternehmen, die den Platz im Netz zur Verfügung stellen: So müssen Netzwerke wie Facebook oder auch Twitter etc. bedenkliche Aussagen innerhalb von 24h löschen, sonst werden sie verpflichtet, eine nicht gerade geringe Geldstrafe zu zahlen. Klar ist dabei auch, dass natürlich sehr viel vorsorglich erstmal gelöscht und gesperrt wird, um einer Strafzahlung zu entgehen. Auch Dinge, die eigentlich völlig harmlos sind, werden vorsorglich gelöscht. Für den Staat ganz wunderbar: eine ausgelagerte Zensurbehörde, die er nicht einmal finanzieren muss – Win/Win Situation.

Und wenn man sich heutzutage mal ansieht, was alles trotz des Gesetzes stehen bleiben darf, dann zeigt es eindeutig, dass der Hass nur böse ist, wenn er sich gegen bestimmte Gruppen richtet. Es scheint für die meisten Zensoren kein Problem zu sein, wenn andere Menschen als „Nazi“ bezeichnet werden. Was selbstverständlich eine Beleidigung ist, wenn man sich die tatsächliche Bedeutung und die damit zusammenhängende Geschichte anschaut. Hingegen ist Kritik an der Flüchtlingspolitik bzw. der Politik Israels beinahe völlig unmöglich, weil pauschal als Rassismus bzw. Antisemitismus gesehen…
 
Da ich also nichts dagegen machen kann, wenn mich jemand beleidigt (bin eben weder Flüchtling noch irgendeine andere benachteiligte Gruppe), außer vermutlich, wenn es sexistische Beleidigungen sind (da habe ich ja noch den Frauenvorteil) und die Zensoren auch Meldungen von Beleidigungen wie eben „Nazi“ nicht interessieren, brauche ich also eine eigene Strategie.
Und da habe ich für mich jetzt einfach mal entschieden: Liebe statt Hass! J

 
 
Das Problem ist ja, wenn ich den Beleidigungen und dem Hass im Netz mit Gleichem begegne, dann ist niemandem geholfen und alles schaukelt sich nur gegenseitig hoch. Genauso sinnlos wie Gewalt mit Gewalt vergelten – dort steht am Ende der Krieg.
Und vielleicht haben diese Menschen ja einen Grund (nein, sicher keinen Guten, der das rechtfertigt!) für ihren Hass. Möglicherweise haben sei selbst Hass erlebt und sind nicht in der Lage, damit anders umzugehen, als mit weiterem Hass. Oder sie sind einfach so unglücklich und frustriert, dass sie ein Ventil suchen.
Ich hoffe, dass ich mit meiner Strategie das Netz ein wenig freundlicher machen kann und eben nicht dazu beitrage, dass die Diskussion verschwindet, weil alle sich nur noch gegenseitig beleidigen.
Ich diskutiere gerne mit jedem, der anderer Meinung ist, aber Hass und Beleidigungen müssen wirklich nicht sein!

Donnerstag, 28. September 2017

Filterblasen

Unterschiedliche Meinungen, Diskussion, Kontroversen, Kompromisse, Toleranz – das alles sollten Bestandteile einer offenen Debatte sein. Selbst offline sehe ich immer mehr, dass Menschen sich abschotten und nur mit Menschen gleicher Meinung in ihrer eigenen Gruppe bleiben. Nach der Bundestagswahl posten mehr und mehr Leute in den sozialen Netzwerken, dass sie sich von Freunden im Netz und auch im realen Leben verabschiedet haben, weil diese die AfD gewählt haben. So etwas finde ich ziemlich schockierend. Freunde such ich mir doch nicht ausschließlich nach der politischen Meinung aus. Ein Freund, der so handelt, war vermutlich nie ein wirklicher Freund! Eine Freundschaft sollte auch unterschiedliche Meinungen aushalten. Ich selbst hatte ja vor kurzem in einem Text geschrieben, dass ich die Befürchtung habe, eine Freundin aufgrund politischen Engagements evtl. zu verlieren. Allerdings hatten wir schon immer unterschiedliche Meinungen und eine Wahlentscheidung wäre lange nicht ausreichend, um unsere Freundschaft auseinander zu reißen.
Vermutlich ist es für viele (möglicherweise eher sensible) Personen einfacher und leichter, sich nur in einem Umfeld zu bewegen, bei dem es keinen Widerspruch, keine unterschiedlichen Meinungen und keine Kontroversen gibt. So orientiert man sich bei privaten Kontakten nur innerhalb einer bestimmten Gruppe, schottet sich ab, bestätigt sich gegenseitig in der eigenen Meinung!
Auch in anderen Kontexten habe ich diese Gruppen viel im privaten gesehen: Bestimmte Jugendkulturen wie Gothik oder Punk oder auch Musikstile. Ich habe einige Freunde, die sehr in der Deutschrock-Szene verwurzelt sind (Festivals, Konzerte, Fan-Treffen…) und viele von ihnen haben auch nur Freunde aus dem Bereich. Schwierig deren Idole zu kritisieren, denn alle anderen sind ja der gleichen Meinung. Schwierig ebenso, von anderen Musikstilen zu schwärmen, denn HipHop oder Rap ist hier sowas wie die AfD für die Linken.
Immer seltener sehe ich Menschen, die tatsächlich einen sehr heterogenen Freundeskreis haben, merke dass ich da eine große Ausnahme bin, was ich eigentlich wirklich sehr schade finde!
Wie sollen Diskussionen, Debatten, neue Erkenntnisse entstehen, wenn schon alle einer Meinung sind?
 
Online ist das ganze allerdings offensichtlich noch viel schlimmer: Auf Twitter gibt wie auch auf Facebook die Möglichkeit, Menschen zu blocken. Durch diese Funktionen produzieren einige auf Twitter ihre eigene Filterblase, in der wieder nur alle die gleiche Meinung haben. Ich bin ja erst seit kurzem auf Twitter, wurde aber schon oft von Menschen geblockt, einfach weil ich anderer Meinung  war.
 
Manchmal auch bereits vorsorglich, obwohl es gar keine Diskussion miteinander gegeben hat. Eine Person habe ich anschließend mal auf Facebook angeschrieben, da ich das blocken völlig unverständlich fand, denn der einzige „Kontakt“ auf Twitter war, dass ich ihren Tweet geliked habe (dort ging es darum, dass sie sich darüber geärgert hat, dass ein Politiker „autistisch“ als Beschimpfung verwendet hat). Ihre Antwort auf meine Frage, warum ich geblockt wurde, war sie hätte sich meine Timeline angesehen und festgestellt, dass sich dort Einstellungen befinden, mit denen sie nichts zu tun haben will. Ja, mein Gott, dann muss man mir eben nicht folgen… aber blocken? Wenn man jeden mit missliebigen Einstellungen und anderen Meinungen gleich blockt, damit man auch nicht mal zufällig etwas voneinander sieht, dann kreiert man sich eine unrealistische Traumwelt. Meine Vermutung ist sogar, wenn solche Leute abseits des Internets in der Realität mit anderen Meinungen konfrontiert werden, können sie damit nicht umgehen, nicht argumentieren. Und in der Realität kann man leider nicht blocken. Offline kann man sich nur aus dem Weg gehen, aber niemanden so aus dem Leben verbannen wie online. Und manchmal kann man einander sogar nicht einmal aus dem Weg gehen, wenn man beispielsweise beruflich miteinander zu tun hat. Man muss in der Realität eben auch mit den Meinungen anderer Leute klarkommen lernen, muss lernen, diese zu tolerieren oder ihnen zu widersprechen. Muss lernen, zu argumentieren und auch zu tolerieren.
 
Bei der sich immer weiter verbreiteten Abschottung einzelner Gruppen gegen fremde Meinungen, werden die eigenen Einstellungen und Meinungen immer nur gespiegelt und bestätigt, was dazu führt, dass diese mehr und mehr gefestigt werden – ohne Überprüfung. Sollte man dann zufällig mal außerhalb der eigenen Filterblase Kontakt haben, mit Menschen, die eben gegenteiliger Meinung sind, ist eine Diskussion äußerst schwierig, da man die eigene Meinung zwangsläufig für die richtige hält, denn das sieht ja „jeder“ so, und sich bisher nicht mit Argumenten auseinandersetzen musste.
Ich selbst handele übrigens genau gegenteilig und informiere mich bewusste aus unterschiedlichen Medien, setze mich bewusst mit Gegenargumenten auseinander bzw. mit unterschiedlichen Seiten bevor ich mir eine Meinung bilde. Genau das war beispielsweise auch der Grund, warum besagte Freundin die erste war, mit der ich über mein Engagement gesprochen habe (da mir ihre politische Einstellung ja lang bekannt ist), ich wollte von ihr genau die Gegenargumente und Belege dafür. Wollte meine Meinung überprüfen.
Ich überprüfe ständig meine Einstellung und Meinung im Kontakt mit Menschen, die andere Meinungen und Einstellungen haben. Möglicherweise ist das auch ein Grund, warum ich des Öfteren bei Twitter geblockt werde: Ich dringe in die Filterblasen von Menschen ein, die es sich dort wohlig eingerichtet haben, ganz ohne Gegenargumente und fremder Meinungen. Und das wollen diese Menschen nicht zulassen, sie können sich nicht mit Argumenten verteidigen, sondern nur mit Abschottung. Sie wollen sich gar nicht mit anderen Argumenten auseinandersetzen, sondern eigentlich immer nur Bestätigung für ihre eigene Meinung, die sie in der Filterblase ja auch zuhauf erfahren.
Meiner Beobachtung nach ist dies auch kein Phänomen einer bestimmten Gruppe, sondern zieht sich durch alle Gruppen von Menschen – egal, ob Feministen, Männerrechtler, linke oder rechte politische Einstellungen oder auch einfach nur Musikszenen etc.
Es ist eher ein Phänomen dessen, dass die Diskussionen sich von Offline immer stärker nach Online verschoben haben und man nicht mehr von Angesicht zu Angesicht miteinander spricht. Ich hoffe, dass sich das in Zukunft wieder ändert, sonst befürchte ich leider, dass es immer weniger Diskussion, Kontroversen und Toleranz gibt. Der Blick über den eigenen Tellerrand fehlt, wenn der andere nur als „Gegner“ oder „Feind“ gesehen wird und aus Prinzip „böse“ ist, ist die Konsequenz irgendwann Streit (und das nicht im positiven Sinne) oder sogar Gewalt, denn gegen den „Feind“ wird diese gerne als angemessen angesehen. Diese Entwicklung bedauere ich und ich hoffe, dass zukünftig mehr Menschen sich aus ihren Filterblasen wagen und ihre eigene Meinung durch Argumente prüfen!

 

Montag, 25. September 2017

Amüsiert: Bundestagswahl 2017

Ja, auch ich möchte mal meinen Senf zum Thema Bundestagswahl äußern: Ich bin in erster Linie amüsiert. Amüsiert über das Ergebnis, aber noch viel mehr über die Reaktionen der Medien und Dauerempörten. Amüsiert über die Reaktionen von Schulz, Merkel und den anderen Parteiangehörigen. Amüsiert über Frauke Petry und die AfD.
Manchmal sollte man manche Dinge vielleicht auch nicht zu ernst nehmen. Und ich bin tatsächlich lieber amüsiert als schockiert oder erfreut.
Irgendwie bin ich auch ganz froh, dass ich nicht gewählt habe, sonst hätte ich mich ja entscheiden müssen und bei mir standen drei Parteien in der engeren Auswahl.
Die AfD ist mit fast 13 Prozent in den Bundestag eingezogen und ein bisschen bin ich ja darüber doch erfreut. Es hätte jetzt nicht zweistellig sein müssen, aber dass die AfD im Bundestag ist, gefällt mir. Denn es gab in den letzten Jahren keine Opposition, keine Diskussion und die Regierung konnte machen, was sie wollte. Durch eine Partei, die eine tatsächlich andere Meinung mit einbringt, entsteht endlich wieder Diskussion und genau das ist es, was die Demokratie ausmacht: Meinungspluralität und Kompromisse. All denjenigen, die in dem Einzug der AfD in den Bundestag eine Gefahr für die Demokratie sehen, möchte ich gerne an den Kopf schmeißen, das es eine Stärkung der Demokratie ist.
Ein weiterer interessanter Teilaspekt ist das Wahlergebnis in Sachsen: Hier hat die AfD sehr knapp vor der CDU die meisten Stimmen erhalten. Interessant nicht nur in dem Punkt, da medial Sachsen ja sowieso als rechte Hochburg gilt. Was ich wirklich gerne genauer wissen würde, wäre wie die Demonstrationen und Kundgebungen von PEGIDA die Entscheidung der Leute beeinflusst haben. Wenn man hier einen Zusammenhang feststellen könnte, wäre es ein eindeutiges Zeichen, dass Demonstrationen und ähnliche Mittel doch etwas bewirken können. Dabei ist es erstmal völlig egal, um welche Demonstrationen es geht. Es zeigt nur, dass so etwas nicht sinnlos ist. Ich habe die starke Vermutung, dass das in Sachsen tatsächlich der Fall war, hätte dazu aber gerne wissenschaftliche Untersuchungen – jemand Interesse? ;)
 
Eigentlich hat es die aktuelle Regierung in der Hand wie sich die Stimmung im Land und damit die Chancen der AfD entwickeln: Wenn die Politik so weiterläuft wie die letzten Jahre und die CDU versucht die SPD links zu überholen, dann wird die AfD bei den nächsten Wahlen vermutlich weitaus besser abschneiden und die SPD völlig untergehen, da sie sich alle Theman hat klauen lassen. Für die SPD ist es aktuell tatsächlich das Beste in die Opposition zu gehen, um ihr eigenes politisches Profil in Abgrenzung zur CDU wieder zur stärken.
Und die CDU täte gut daran, ihr konservatives Profil zu stärken, um nicht weitere Wähler an die AfD zu verlieren. Wenn es tatsächlich eine Regierungskoalition mit FDP und Grüne gibt (was aktuell als einzig gangbare Koalition gehandelt wird), wird es spannend in der nächsten Regierungsphase.
 
Besonders amüsiert bin ich auch über die vielen „toleranten und weltoffenen“ Menschen, die im Kampf gegen die AfD die Anwendung faschistischer Methoden nicht nur legitimieren, sondern offen fordern, man solle als Kellner AfD Wähler nicht mehr bedienen, oder als Gastwirt des Lokals verweisen. Die offen fordern, die AfDler mögen sich kennzeichnen, damit sie wissen, wem sie auf der Straße ins Gesicht spucken oder aufs Maul hauen sollten. Auch dass bei der Wahlparty der AfD Polizeischutz nötig war, damit Menschen nicht verletzt wurden, zeigt eindeutige Tendenzen.
Und dann ist da immernoch der Mainstream der Meinung, die Faschisten seien bei der AfD zu suchen. Mit ihren läppischen paar Prozent werden sie Diskussionen anstoßen, aber mehr kann die AfD im Bundestag sowieso nicht erreichen. Und die faschistische Gefahr sehe ich zurzeit aufgrund solcher Aufrufe und Geschehnissen in der Zeit des Wahlkampfs eher bei den Gegnern!
 
 

Montag, 18. September 2017

„Als junge hübsche Frau, sollten sie doch eine linke politische Einstellung haben!“

Dieser Satz wurde mir neulich so ähnlich auf Twitter an den Kopf geworfen. Und auch auf den Vorwurf, dass es sexistisch Frauen aufgrund des Äußeren zu beurteilen, wurde mir nur entgegnet, ich solle mich doch über das Kompliment freuen!
Nein, danke!
 
Komplimente immer gerne, aber bitte nicht mit der Folge dann nicht ernstgenommen zu werden, denn nichts anderes bedeutet es, wenn man meine politische Einstellung aufgrund des Äußeren beurteilt, statt sich meine Meinungen und Argumente anzuhören! Allerdings muss ich sagen, dass der entsprechende Herr, sich dann dennoch auf eine Diskussion eingelassen hat. Wobei ich während der gesamten Diskussion immer das Gefühl hatte, er redet mit mir als hätte er ein kleines dummes Mädchen vor sich, dass er einfach nur von der „richtigen“ Meinung überzeugen muss. (Was letztendlich nicht funktioniert hat, da er sich in erster Linie an Strohmännern abgearbeitet hat.)
Dass das offensichtlich für viele nicht zusammengeht: Mein Äußeres (junge, hübsche Frau) und meine Meinungen habe ich bei Twitter schon des Öfteren zu hören bekommen. In einem anderen Fall war die Aussage schlicht, man glaube mir nicht, dass ich die Person auf meinem Profilbild sei, weil das nicht zu meinen Aussagen passt. (Tja, bin ich aber tatsächlich!)  
Sowas regt mich dann auf! Nicht, dass man mir online nicht glaubt, soll man doch, ist mir egal, ich kenne die Menschen ja nicht einmal in der Realität, sondern dass ich ständig aufgrund meins Äußeren beurteilt werde und mir bestimmte Ansichten unterstellt werden. Beziehungsweise wird mir die Fähigkeit abgesprochen selbst zu denken
 
Liebe Leute da draußen, stellt auch vor, auch junge hübsche Frauen können selber denken, sich eine eigene Meinung bilden und sind manchmal auch mal Arschlöcher (hier nehme ich mich selbst natürlich aus ;) ). Und solange ihr mich, meine Ansichten und Meinungen ernstnehmt, ist es auch kein Problem, mal ein ernstgemeintes Kompliment zu bekommen!
 

Mittwoch, 13. September 2017

Label

Mal vorweg, dieser Artikel beschäftigt sich mit meinen Überlegungen zu bestimmten Labeln, die man sich selbst gibt oder von anderen zugeschrieben bekommt. Ich selbst habe noch überhaupt keine abschließendes Ergebnis, sondern lediglich ein paar offene Gedanken und freue mich daher über weitere Anregungen und Überlegungen in den Kommentaren!

Mein Artikel zum Thema „Gegen Feminismus, für Frauenrechte?“ und der insgesamt damit entstandenen Diskussion, hat mich zu diesen Überlegungen gebracht. Feminismus ist häufig verknüpft und für viele automatisch gleichbedeutend mit der politischen Richtung links.
Ich selbst habe mich nie einem solchen politischen Label zugeordnet, vermutlich würde noch am ehesten Liberal und konservativ passen, aber das ist heute auch häufig mit Bedeutungen verknüpft, hinter denen ich nicht stehen kann.
Besonders interessant als Label für Selbstbezeichnungen sind in der Geschlechterdebatte: Feminist, Antifeminist, Maskulist, Männerrechtler, Frauenrechtler und in der politischen Debatte eben links und rechts.
Während wie erwähnt der Feminismus häufig automatisch mit links verknüpft wird, wird die Gegenbewegung des Maskulismus gerne mit rechts in Verbindung gebracht – nicht selten auch von deren Gegnern, um diese zu diskreditieren. (Wobei ich hier links und rechts als „neutrale“ Bezeichnungen ohne Wertung verwenden möchte, negativ wird es für mich erst, wenn es ins Extreme und Gewalttätige abrutscht.) Dann gibt es wieder einige Männerrechtler und/oder Maskulisten, die sich selbst davon abgrenzen und bewusst als links bezeichnen wie beispielsweise Arne Hoffmann, der auch die bekannte Seite Genderama betreibt.
 
Bei dem Blog radikal feminin, dass sich zwar positiv für die Rechte von Frauen, aber gegen den Feminismus positioniert, könnte es sich eben auch in Abgrenzung zum linken „Gender-Feminismus“ um einen „Feminismus von rechts“ (hier meine Zuschreibung, das Blog selbst definiert sich als antifeministisch) handeln. Da die Betreiberinnen eher im politisch rechten Spektrum Zuhause sind. Meine Vermutung war ja zuvor, dass man eben den Kontakt mit dem Feminismus nur durch das universitäre Umfeld hatte, welches heutzutage klar links geprägt ist. Das bedeutet häufig leider, dass von Annahmen Ausgegangen wird, in denen die Frau stehts als Opfer zu sehen ist. Die letzten Entwicklungen dieser Art des Feminismus schränken Frauen häufig mehr ein (bzw. wollen das) als dass sie empowernd und ermutigend sind. Und um dem etwas entgegenzusetzen kann man sich natürlich als „antifeministisch“ bezeichnen. Allerdings bin ich der Meinung, dass man damit eben auch sich gegen den Feminismus generell stellt, der auch eine lange Geschichte von Kämpfen von Frauen für ihre Rechte und den Drang nach der Gleichberechtigung beinhaltet. Warum also Antifeminismus und nicht einfach als Entgegnung auf linken Feminismus, der Feminismus von rechts?!
 

 

Freitag, 8. September 2017

Freundschaft

Ich habe eine für mich sehr wichtige gute Freundin und aktuell die Befürchtung, dass diese Freundschaft zerbrechen könnte, da ich mich in einer Gruppe engagieren will, die ihr nicht passt.
Wir sind seit über 15 Jahren gut befreundet und auch Entfernungen konnten daran nie etwas ändern. Wir haben gleiche Ziele wie eine friedliche offene Welt, Gleichberechtigung und der Kampf für die Meinungsfreiheit, Toleranz etc., aber unterschiedliche Wege, auf denen wir meinen, das erreichen zu können.
Sie befindet sich in einem stark linken, feministisch radikalen Umfeld, mit dessen Aktionen und Veranstaltungen ich auch nicht immer konform gegangen bin. Aber ich habe es akzeptiert und ich weiß auch, sie gehört zu den Guten, die die Ziele einfach wirklich ernst meinen statt irgendwelcher Machtspielchen (was ich sonst leider in der linken Ecke häufig beobachten konnte).
Ich mag es stundenlang mit ihr zu Reden und zu diskutieren, gerne über Themen, in denen wir teilweise völlig unterschiedlicher Meinung sind. Denn sie ist eine der wenigen Personen, die nicht nur eine Meinung, sondern auch Argumente haben. Durch ihre Meinungen und Argumente erhalte ich in Gesprächen immer wieder neue Gedanken und Anregungen. Auch wenn ich mich meist nicht überzeugen lasse, hilft ein solcher Kontakt, um über den eigenen Tellerrand zu schauen. Sie wird mich nie von ihrer radikalen Einstellung überzeugen und ich werde sie sicher auch nicht von meiner Einstellung überzeugen – das will ich auch gar nicht, da ich gerade den Austausch mit gegenteiligen bzw. unterschiedlichen Meinungen wichtig finde. Weil sonst besonders die Linken immer sehr misstrauisch sind, ist es normalerweise äußerst schwierig, sachliche und ruhige Gespräche zu führen, wenn man selbst eine für denjenigen nicht genehme Meinung vertritt. Aber vielleicht hilft bei uns auch, dass wir einen gewissen feministischen Grundkonsens haben und uns bereits sehr lange kennen.

Wie bereits aus einem meiner letzten Artikel hervorging, plane ich nun, aktiv zu werden und nicht mehr alles hinzunehmen. Ich habe lange Zeit gedacht, dass man sowieso nichts ändern kann bzw. dies über Parteien und Parlamente probieren sollte und Gruppen wie Greenpeace oder Attac eher belächelt als geglaubt, dass diese ernsthaft etwas erreichen könnten.
Mittlerweile sehe ich das anders. Ich sehe leider keine Partei, mit der ich inhaltlich so sehr übereinstimme, dass ich mich bei ihr engagieren würde. Genauso wenig habe ich Lust auf einen langen Weg durch irgendwelche Instanzen bis man irgendwann mal etwas erreicht. Es geht viel mehr darum, die Menschen auf der Straße wachzurütteln, diejenigen dazu zu bekommen, nachzudenken über bestimmte Dinge. Genau das kann man aber nur machen, in dem man selbst aktiv wird. Ich weiß, dass es immer auch Gegenwind gibt und häufig Menschen, die eben anderer Meinung sind, aber ich will auch nicht mehr alles so ruhig hinnehmen wie ich es bisher getan habe!

Ich hoffe, dass meine Freundschaft nicht an meinem Aktivismus für eine (meiner Meinung nach) gute Sache zerbricht! Dass wir immer noch gemeinsam ins Café gehen und miteinander über alles reden können, auch wenn wir vielleicht bei Demonstrationen auf unterschiedlichen Seiten stehen!
Nicht ohne Grund war sie die erste Person, mit der ich über das Thema geredet und  um eine Meinung gebeten habe. Weil sie mir nach all der langen Zeit, den gemeinsamen Gesprächen und Erlebnissen auch einfach wirklich wichtig ist!

Dienstag, 5. September 2017

Gegen Feminismus, für Frauenrechte?

Im Netz findet sich unter dem Namen „radikal feminin“ ein neuer Blog von zwei Studentinnen aus Tübingen, die sich dort für Rechte von Frauen, aber bewusst antifeministisch positionieren.
Ich mag die bisherigen Texte und finde es interessant, aber sehr schade, dass man bewusst versuchen muss, sich vom Feminismus abzugrenzen. Genau das schrieb ich auch auf Twitter, wobei es zur folgenden Diskussion mit aranxo kam, auf die ich hier eingehen möchte:


Miria: „Warum muss man sich antifeministisch positionieren, wenn man doch für die Rechte der Frau ist?“

Aranxo: „Der Feminismus hat nicht das Monopol, wenn es um das Eintreten für Frauenrechte geht.“

Miria: „Es geht darum, dass Feminismus sich eben auch für Frauenrechte einsetzt und in der Vergangenheit viel erreicht hat. Wenn man jetzt ein positives Projekt für Frauen macht, sich dagegen zu positionieren, finde ich schade.“

Aranxo: „Feminismus ist halt mehr als nur das Eintreten für Frauenrechte. Es ist eine Ideologie, die z.B. an die Existenz eines Patriachats glaubt.

Miria: „Nicht jede Feministin tut das! Es gibt viele unterschiedliche Strömungen. Ich habe z.B. einen feministischen Blog und Patriarchat gibt’s da nicht.“

Aranxo: „Dass Männer Frauen unterdrücken wollen, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt, dass nur Mutter sein minderwertig ist. Das sind so Glaubenssätze des modernen Feminismus, die man nicht glauben muss, um für Frauenrechte zu sein.“


Daraufhin habe ich erklärt, die Diskussion würde ich lieber auf dem Blog fortführen, da Twitter nicht das richtige Medium sei, deshalb jetzt dieser Artikel.
Ich werde jetzt zunächst auf jeden der einzelnen Punkte, die Aranxo angesprochen hat eingehen und hoffe, dass sich dann möglicherweise eine interessante Diskussion in den Kommentaren ergibt.

1.       Patriarchat
Das Wort kommt aus dem griechischen und bedeutet erstmal so viel wie Vater oder Stammesvater. Beim Patriarchen handelte es sich also um denjenigen, der Macht und Besitz hat. Später bezeichnete man auch Systeme so, in denen es vor allem um die Erbfolge ging. D.h. Besitz und Finanzielles wurde immer ausschließlich vom Mann an die männlichen Nachfahren vererbt und mit Besitz war einerseits natürlich Verantwortung, aber andererseits auch Macht verbunden.
Aus der Situation entwickelte sich eine Gesellschaf, in der Frauen und Männer unterschiedliche Aufgaben hatten, in erster Linie auch aufgrund biologischer Grundlagen, da es für eine Frau natürlich klar war, dass sie Kinder bekommt und in der Zeit mehr Schutz und wenig körperliche Belastung braucht.
Andererseits bedeutete das nicht, dass generell alle Männer mehr Macht hatten als alle Frauen, da die Ehefrauen der mächtigen Männer (Gutsherren, Fürste etc.) natürlich sehr viel mehr Macht hatten als ärmere Männer, die als einfache Arbeiter auf dem Feld standen. Auch hatten die Frauen oft die Weisungsbefugnis über die Angestellten im Haus während der Mann die Belange außerhalb vertrat.
Heutzutage wird das Wort Patriarchat in der Soziologie vor allem verwendet, um ein „System von sozialen Beziehungen, maßgebenden Werten, Normen und Verhaltensmustern, das von Vätern und Männern geprägt, kontrolliert und repräsentiert wird“ (Wiki
), bezeichnet. In dem Punkt fangen die Probleme an, da es haufenweise linke und linksextreme Personen gibt, die diese Bezeichnung für unsere Gesellschaft verwenden, aber keine Belege dafür liefern können. Ich habe in einem „Treff für Frauen“ mal die Anwesenden gefragt, ob wir in einem Patriarchat leben und wenn es bestätigt wurde (was leider häufig der Fall war), habe ich nach Belegen gefragt. Da kam leider nur heiße Luft wie die Aussage, dass Männer sich mehr Platz nehmen würden in der Bahn (breitbeinig sitzen) oder wenn man in der Fußgängerzone einem Mann entgegen kommt, würde die Frau immer ausweichen etc. Alberner Kindergarten meiner Meinung nach. Aber diese Menschen sind nicht diejenigen, die das vertreten, für das der Feminismus ursprünglich steht. Es sind diejenigen, die nicht selber denken, sondern nur das nachplappern, was sie irgendwo (meist in irgendwelchen komischen Genderseminaren) hören.

2.       Männer wollen Frauen unterdrücken
Ja, natürlich gibt es Männer, die Frauen unterdrücken wollen. Sicher gibt es auch Frauen, die Männer unterdrücken wollen. In der Allgemeinheit würde ich dem aber nicht zustimmen. Da sollte man wohl bei jedem individuell schauen, ob derjenige gerne jemanden unterdrückt! Und das Feministinnen generell davon ausgehen, Männer wollen Frauen unterdrücken ist auch wieder nur bei dem linken (und häufig radikalisierten Teil der Fall). Die Aussage, dass Männer Frauen unterdrückt haben im Bezug auf die Geschichte ist allerdings häufig im Feminismus vertreten. Und diese Aussage kann unter Bestimmten Aspekten auch als richtig betrachtet werden. Da es einfach Fakt ist, dass Männer in der Vergangenheit mehr Rechte hatten als Frauen und die Gesetze in erster Linie von Männern entschieden wurden, kann man schon davon ausgehen, dass diese Frauen unterdrückten. Das aber auf die heutige westliche Gesellschaft zu übertragen empfinde ich als falsch. Heutzutage haben wir in den meisten Bereichen eine Gleichberechtigung erreicht und es wird nicht pauschal ein Geschlecht unterdrückt/benachteiligt. Gerade, dass wir heute eine solche Gesellschaft haben, in der auch Frauen die gleichen Möglichkeiten und Freiheiten haben, haben wir dem Feminismus zu verdanken. Wenn man sich jetzt antifeministisch positioniert, positioniert man sich gegen diese Errungenschaften.

3.       Es gibt mehr als zwei Geschlechter
Dies ist eine These, die vermehrt in den letzten Jahren in die Öffentlichkeit kam. In erster Linie liegt es darin begründet, dass man bestimmte Merkmale für das jeweilige Geschlecht festgelegt hat: Chromosome, primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale, Hormone. Und im Zuge der Forschung hat man festgestellt, dass es Menschen gibt, die in diesen Merkmalen nicht eindeutig einem der Beiden Geschlechter zuzuordnen sind. Prominentes Beispiel war die Läuferin Casta Semenya.
Die Frage, ob es jetzt zwei oder mehrere Geschlechter gibt, ist meiner Meinung nach einfach eine Definitionssache: entweder man benennt jede Art der Abweichung als eigenes Geschlecht oder man definiert diese eben einfach als Abweichung. Für mich selber ist die Frage ehrlich gesagt wenig relevant, da es hier tatsächlich nur eine Definitionssache ist und man sich einfach auf etwas einigen muss. Außerdem kenne ich im näheren Umfeld keine Person, die sich selbst nicht entweder als Mann oder Frau bezeichnen würde.

4.       Nur Mutter sein ist minderwertig!
Das ist ein Punkt, gegen den ich mich selbst auch immer vehement ausspreche! Ich finde, dass sollte jedes Paar individuell entscheiden. Ich selbst würde meine Kinder aufwachsen sehen wollen und mich um die Erziehung der Kinder kümmern statt sie möglichst früh fremdbetreuen zu lassen. Feminismus steht auch hier für Gleichberechtigung und Entscheidungsfreiheit! Diejenigen, die Frauen dafür fertig machen, dass sie sich eine zeitlang nur um ihre Kinder kümmern wollen, sind keine Feministinnen (auch wenn sie sich gerne selbst so bezeichnen), diese wollen das eine vorgeschriebene Modell, in dem die Frau selbst nichts zu entscheiden hat, gegen eine anderes austauschen, in dem sie selbst nichts zu entscheiden hat, sondern möglichst schnell wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht.

Auf dem eingangs verlinkten Blog scheint das Problem aber auch zu sein, dass man sich antifeministisch positioniert, da man die Meinung vertritt, dass Feministinnen alle Frauen als Opfer sehen und sie sich selbst eben nicht so sehen.
Ich selbst habe immer wieder betont, dass es darum gehen sollte, Frauen zu bestärken, ihnen dazu zu verhelfen, selbstbewusst zu sein statt sie weiter als armes Opfer zu betrachten und noch mehr in irrationale Ängste zu treiben.
Immer wenn ich irgendwelche Artikel sehe, die genau das tun (traurigerweise im Namen des Feminismus) habe ich mich deutlich dagegen positioniert. Denn Frauen als Opfer zu betrachten und kleinzuhalten ist alles andere als feministisch! Zwei Artikel von mir, in denen ich mich eindeutig gegen diesen Opferkult ausgesprochen habe, sind beispielsweise die folgenden:

 

Ich habe mich auf dem Blog „radikal feminin“ mal umgesehen und bei den meisten Texten kann ich zustimmen bzw. sehe es sehr ähnlich. Daher erwähne ich den Blog auch hier, da ich das Projekt an sich mag, lediglich mit der „antifeministischen“ Positionierung ein Problem habe.
Nachdem ich allerdings die Kurzbiografien der Autorinnen gelesen habe, ist das für mich durchaus nachvollziehbar, dort findet sich:

„Sich mit feministischen und Gendertheorie betreffenden Texten auseinanderzusetzen ist Teil meines Studiums. Darauf hatte ich mich zu Beginn sogar aufrichtig gefreut. Einige Semester unter Judith-Butler-Jüngern und etwas Lebenserfahrung später war klar: Feminismus wird die Probleme unserer Gesellschaft nicht lösen, sondern ist selbst eines davon!“

In solchen Veranstaltungen lernt man wenig über Feminismus, aber viel zu viel über die linksradikale Fratze desselben. Die Leute nennen sich Feministen und verbreiten dort häufig vermutlich die ähnlichen Thesen, die Aranxo oben bereits erwähnt hat. Und mit Fakten und Meinungsfreiheit hat man dort auch ein Problem. Ich selbst habe einfach aus Interesse mal eine Ringvorlesung aus dem Genderbereich besucht und das hat mir schon gereicht: Dort wurde ohne Problem die Lüge verbreitet, Frauen würden im gleichen Beruf 23% weniger verdienen. Ich hatte zu dem Zeitpunkt bereits die ganze Studie gelesen und wies die Professorin darauf hin, dass sich das nicht auf den gleichen Beruf bezieht – schon das schien sie nicht zu wissen. Die Lehrenden übernehmen unterfragt populistisches Geschwätz und die meisten Studenten tun dasselbe. Wenn man damit die ganze Zeit konfrontiert wird, dann kann man vermutlich gar nicht anders, als sich eindeutig dagegen abgrenzen zu wollen – würde zumindest jeder vernünftige Mensch machen.

Schade, dass das der erste Kontakt mit dem Feminismus war, schade dass die Autorinnen sich nicht auch außerhalb der Uni über den Feminismus und seine Geschichte umfangreich informiert haben, dann wäre auch klar: Feminismus will Gleichberechtigung und selbstbewusste Frauen! Frauen sind keine hilflosen Opfer und sollen ihr Leben selbst gestalten!
 
Ich sehe mich als Feministin, weil ich den Grundgedanken des Feminismus richtig und wichtig finde. Und ich kann mich auch trotzdem so bezeichnen, obwohl ich in der Einstellung nichts gemeinsam habe mit denjenigen, denen die Autorin an der Uni begegnet ist. Aber wie ich mir meine Sprache und meine Symbole nicht von irgendwelchen Nazis wegnehmen lassen möchte, so möchte ich mir auch den Feminismus nicht von irgendwelchen Linksradikalen wegnehmen lassen! Ich finde es wichtig, dass der Feminismus auch in seiner ursprünglichen Bedeutung gesehen wird!

Mittwoch, 30. August 2017

"Mit dir brauch ich nicht diskutieren, du bist Nazi, Sexist, Rassits, homophob..."

Seit wann  sind Argumente eigentlich durch besagten Satz ersetzt worden? Wieso sind tatsächlich sachliche Diskussionen bei einigen Themen (zumindest online) nicht mehr möglich. Immer wieder entdecke ich in Onlinediskussionen, Blogs, Facebook etc. eben jenen Satz in verschiedenen Abwandlungen. Speziell betrifft das natürlich die folgenden Themen: Sexualität, Gleichberechtigung, Feminismus, Zuwanderung etc.
Und im Zusammenhang mit der aktuell bevorstehenden Bundestagswahl passiert das natürlich auch gerne im Bezug auf verschiedene Parteien: Die AfD ist rechts, die AfD ist Nazi! Wenn jemand bestimmte Standpunkte der AfD verteidigt oder sogar nur, wenn derjenige die (aus seiner Sicht auch falschen Standpunkte) nicht als Grund sieht, die AfD bzw. ihre Mitglieder gewalttätig anzugreifen. Ja dann wird schnell die Nazikeule geschwungen.
Mir ist die AfD ehrlich gesagt als Partei ziemlich egal: ich halte sie weder für so radikal, dass sie gefährlich sind, noch für so interessant, dass ich sie bei der kommenden Wahl wählen würde. Aber anhand dieser Partei bzw. entsprechender Diskussionen lässt sich gut das Problem in der aktuellen Diskussionskultur sehen. Ein Beispielkommentar unter einem Artikel von Spiegel online (Kommentar aus Facebook):

„Wer wie ein Nazi redet, der sich wie ein Nazi verhält, der darf sich nicht wundern, wenn er dann so genannt wird.
Einfach Geschichte.
Übrigens, die "Ich bin ja kein Nazi, aber..."Besorgtbürger können das ja auch immer gut....Wer nicht die AfD wählt, gehört ja immer gleich zur Antifa.
Also, hör auf zu heulen und steh zu deiner Gesinnung!

Hier wird sogar die Aussage, dass man kein Nazi sei als Beleg für eben diese Tatsache gesehen, und genau das kommt tatsächlich relativ häufig vor in solchen Diskussionen.
Dieses Zitat ist allerdings eher harmlos. Ich möchte aber hier jetzt nicht irgendwelche Beleidigungen zitieren und mich außerdem nicht auf die AfD beschränken, da es viele unterschiedliche Beispiele aus allerlei Bereichen gibt.

Auch ist mir selbst passiert, dass ich recht schnell als Nazi diffamiert wurde, als ich in einer angeblichen Philosophiegruppe in Facebook eine Diskussion zu eben diesem Thema: offene Diskussion, Toleranz und Meinungsfreiheit eröffnete. Einer der Kommentare lautete folgendermaßen:

„Es gibt aber dennoch Ansichten, die nicht tolerierbar sind. Die von Holocaust-Leugnern, radikalen und gewaltbereiten Nazis, fundamentalen Christen oder Muslimen etc.

Und hier habe ich widersprochen, da ich der Meinung bin, dass eine freie Gesellschaft auch das aushalten muss. Man sollte diesen Meinungen natürlich entschieden entgegentreten, aber ein Verbot finde ich falsch. Genauso finde ich auch das Verbot der Leugnung des Holocaust falsch. Jeder weiß, was damals passiert ist und jeder, der etwas anderes behauptet macht ziemlich deutlich, wessen Geistes Kind derjenige ist. Dafür braucht man kein Gesetz, welches sowieso nur dazu führt, dass diese Menschen ihre Meinung eben nicht öffentlich äußern, aber doch nicht dazu, dass es die Gedanken nicht gibt.
Und ab dem Punkt war ich dann natürlich Nazi… und das obwohl ich ganz deutlich nochmal geschrieben habe, dass ich eben nicht davon rede, dass jemand Gewalt anwendet, es geht lediglich um Meinungen bzw. Behauptungen.
Kleiner Auszug aus der Diskussion:

Ich: „Warum sind diese Ansichten deiner Meinung nach nicht tolerierbar? (es geht hier nicht um wirklich handfeste Gewalt, sondern nur um entsprechende Meinungen/Ansichten).
Und wo ziehst du die Grenze?

M.: „Weil die Leugnung des Holocaust eine schreckliche Diskriminierung ist und die Opfer des Holocaust verhöhnt. Durch den Holocaust mussten Millionen von Menschen ihr Leben lassen. Das zu leugnen ist nicht einfach nur eine "dumme" und historisch falsche Meinung, es zeigt Ingnoranz gegenüber der deutschen Geschichte und den daraus resultierenden Folgen. Radikale Nazis, fundamentale Christen und Muslime vertreten nicht einfach eine Meinung. Sie sind bereit dazu, ihre Ansicht auch notfalls mit Gewalt zu verbreiten und durchzusetzen.

Ich: „Warum sind die Opfer des Holocaust mehr wert als die Opfer anderer (Kriegs-)verbrechen? Dass jemand, der das leugnet, nicht ganz hell sein kann, steht auf einem anderen Blatt, aber ich finde das Verbot unsinnig und damit werden andere Opfer als weniger wichtig gesehen, denn deren Verbrechen zu leugnen ist keine Straftat...
Meinungen, die zu Gewalt führen zu verbieten ergibt ebenso wenig Sinn, denn Gedanken lassen sich erstens sowieso nicht verbieten und zweitens warum nicht die Grenze bei der Gewalt selbst ziehen?

M.: „Welche "anderen Opfer" werden denn tatsächlich als weniger wichtig angesehen? Aber wer leugnet denn z. B. den ersten Weltkrieg? Oder die RAF? Kein anderes Verbrechen in Deutschland wird so öffentlich herabgesetzt, wie der Holocaust. Deshalb wurde dem eine gesetzliche Grenze gesetzt.
Wieso die "Grenze nicht bei Gewalt ziehen"? Weil Gewalt schon früher beginnt und nicht rein in gewalttätigen Taten zum Ausdruck kommt.

(…) Die Diskussion ging dann noch weiter, welche anderen Verbrechen ähnlich schlimm wären bzw. ebenfalls geleugnet werden etc. Dann kam das Argument, es bräuchte eben eine klar definierte Grenze für Toleranz und diese bilde schließlich das BGB. Was die Diskussion, ob entsprechende Meinungen toleriert werden sollten aus meiner Sicht ad absurdum führte, da es offensichtlich nicht möglich war, Kritik an bestehenden Gesetzen zu üben. Außerdem wurde dann noch davon gesprochen, dass die Rechten so gefährlich seien und mordend durch Deutschland zogen, woraufhin ich erwähnte, dass es eben nicht zur Normalität in Deutschland gehört, dass Rechte reihenweise irgendwelche Menschen umbringen. Und dann kam diese Antwort:

M.: „Ja La Du verdrehst Tatsachen! Ich habe nicht von "reihenweise" gesprochen. Dennoch reichen diese Taten, um dagegen vorzugehen.
Ich glaube, du ignorierst (bewusst) die aktuelle politische Lage. Die Nationalsozialisten sind nicht so schwach, wie du versuchst hier darzustellen. Und ich sehe immer deutlicher die angesprochene "rechte" Tendenz. In deinem letzten Kommentar ist sie nicht mal mehr "subtil"...
Du verharmlost gerade schamlos die Taten des NSU etc. Merkst du das eigentlich? Für dich scheint es nicht so schlimm zu sein, dass jüdische Gemeinden noch immer polizeilichen Schutz brauchen und jüdische Kinder jeden Tag lernen, dass sie in Deutschland extrem vorsichtig sein müssen...
Sehr traurige Einstellung. Das hat nichts mehr mit objektiver Diskussion zu tun..

Daraufhin habe ich nur noch geantwortet wie perfekt sich hier die von mir erwähnte Intoleranz gegenüber anderen Meinungen zeigt, da versucht wird mich zu diffamieren, indem man mir Meinungen unterstellt, die ich nicht vertrete,und mich als „rechts“ diffamiert, anschließend aus der Diskussion verabschiedet.

Ich bin sicher weder Nazi noch Rassist, aber ich bin nun nicht mit jedem Gesetz in Deutschland einverstanden, das bezüglich der Holocaustleugnung gehört dazu. Allerdings wären andere Gesetze wie Einwanderung- und Asylgesetzgebung weitaus wichtiger anzugehen als das.

Ich möchte nicht mehr in jeder Diskussion, die spezielle Themen berührt oder streift mit dem Vorwurf „Nazi“, „rechts“ und „Rassist“ (egal, ob gegen mich persönlich oder gegen andere Kritiker) konfrontiert werden!
Ich möchte nicht mehr jedes Wort auf die Goldwaage legen müssen und zuvor eine umfangreiche Recherche anstellen, ob es mal von Hitler gesagt wurde!
Ich möchte dass missliebigen Meinungen und Standpunkten mit Argumenten begegnet wird statt mit Beleidigungen und Diffamierungen!
Ich möchte eine offene, wirklich tolerante Gesellschaft und Diskussionskultur!

Mir macht diese Entwicklung Angst! Mir macht es Angst wie schnell bestimmte Gruppierungen in eine Ecke gedrängt werden und jedem, der im weitesten Sinne mit diesen sympathisiert geschadet wird! Mir macht es Angst, dass in einem offenen Raum wie dem Internet eine solch einhellige Meinung vertreten und kein Widerspruch geduldet wird! (speziell in Gruppen und auf verschiedenen Seiten werden solche Kommentare dann gelöscht, obwohl sie gegen kein Gesetz verstoßen)

Ich kann nicht mehr! Die zuvor gepostete Diskussion war der letzte Tropfen, der das Wasser zum Überlaufen gebracht hat! Ich bin kein Nazi, aber (hahah) mir ist es jetzt egal, ob irgendwer denkt, ich wäre einer! (Menschen die mich kennen, wissen es besser) Ich werde nicht mehr aufpassen und mich aus Diskussionen vertreiben lassen! Ich werde jetzt aktiv, nicht mehr nur im Netz, sondern auf der Straße! Ihr werdet meine Meinung hören und sehen – auch wenn es euch nicht passt! Noch sind nämlich nicht gesetzlich alle Meinungen verboten!

Montag, 21. August 2017

Frauen sollen in Berlin demnächst im Stehen pinkeln…

Wie die BZ berichtet, werden in Berlin zukünftig zu den Pissoirs für Männer Urinale für Frauen eingeführt, damit diese auch im Stehen pinkeln können.
Das Toilettenkonzept für Berlin aus dem Fachbereich Umwelt des Berliner Senats enthält neben Bestimmungen für Hygiene, Sicherheit etc. auch folgendes:

In Zukunft sollten Urinale, die von allen Geschlechtern benutzt werden können (vgl. Arbeitspaket 5, S.9), angeboten
werden.“

Mein erster Gedanke war: Warum zum Teufel?!
Es scheint in Berlin allerdings der Fall zu sein, dass es wohl mehr Urinale gibt als Toilettenkabinen bzw. an einigen Stellen in der Stadt nur Urinale vorhanden sind und keine Toilettenkabinen. Und das wird nun als ungerecht interpretiert, weil an diesen Stellen Frauen eben nicht die Möglichkeit haben, diese zu nutzen.
Aber warum man jetzt so einen Unsinn veranstaltet und Urinale für Frauen aufstellt, statt einfach noch ein paar Kabinentoiletten hinzu, ergibt für mich wenig Sinn. Vermutlich auch aus dem Punkt „WEIL HALT“.
Frauen beschweren sich ja sonst schon häufig darüber, dass sie sich nicht gerne auf öffentliche Toiletten setzen, da diese nicht besonders sauber sind. Ich kenne auch welche, die immer Papieraufleger für die Klobrille dabei haben, um diese nicht berühren zu müssen. Auch ich desinfiziere jede fremde Klobrille bevor ich mich auf diese setze. Als erstes hatte ich daher auch gedacht, dass das nun mit ein Grund wäre, warum Frauen gerne Urinale haben wollen. Die muss man schließlich nicht mit der Haut berühren.

Aber um das zu vermeiden gibt es ja auch noch die Hocktoiletten, wie sie häufig in südlichen Ländern wie Frankreich oder Italien vorkommen. Man hockt sich hin und hat so keine Berührung von Haut und Toilette.
Als in einem Bürgerzentrum in Köln  schließlich eine solche Toilette als zusätzliches Angebot eingebaut werden sollte (die sind kaum teurer als gewöhnliche Toilettenschüsseln), gab es gleich eine riesige Aufregung. Irgendein Idiot kam wohl auf die grandiose Idee, eine solche Hocktoilette als „kultursensible Toilette“ zu bezeichnen und diese auch noch im Zusammenhang mit muslimischen Mitbürgern zu erwähnen. Und da kommen natürlich gleich wieder die ganzen Spinner aus ihren Löchern, die alles muslimische auf alle Fälle vermeiden wollen.

Tatsächlich ist es so, dass in dem entsprechenden Zentrum viele verschiedene Angebote auch für Flüchtlinge gemacht werden und es aufgrund dessen zu der Idee kam, eine solche Toilette als zusätzliches Angebot einzubauen (während sowieso renoviert wurde). Das muss aber nicht zwangsläufig etwas mit der Religion zu tun haben, sondern kann einfach ganz praktisch sein, wenn ein Flüchtling eben eine Toilette vorfindet, die er angenehm, da aus der Heimat bekannt, findet. Und da es weiterhin ganz normale Toiletten gibt, kann ich die Aufregung auch nicht verstehen.
Würde es bei öffentlichen Toiletten dieses Angebot geben, wäre ich auch in Versuchung, eher die Hocktoilette zu nutzen aus bereits zuvor genannten Gründen.
Ich bin allerdings gespannt, ob die geplanten Urinale in Berlin tatsächlich von den Frauen angenommen werden.

Montag, 10. Juli 2017

Hallo lieber Frauenversteher!

Schön wie du deinen Artikel schon startest; ein paar allgemeine Aussagen, denen niemand widersprechen kann:

„Die Lebensrealitäten von Frauen und Männern sind grundlegend verschieden.“

Vermutlich genauso wie die Lebensrealitäten von Menschen auf dem Land und Menschen in der Stadt, von jungen und alten Menschen, von Arbeitern und Selbstständigen, von dicken und schlanken Menschen, von … Wie einfach jeder individuelle Mensch nicht das gleiche Leben und die gleichen Erfahrungen macht wie andere!

„Während die von Frauen oft von Diskriminierung und Gewalt geprägt ist, genießen Männer im Vergleich viele Vorteile.“

Wo sind denn die Belege und Beispiele dafür?

„Unser Autor David versucht zu verstehen, weshalb sich viele Männer dessen nicht bewusst sind und was getan werden kann um diesen Graben zwischen den beiden Welten zu überwinden.“

Es muss also ein Mann kommen, der die Frauen versteht und deshalb erklären kann, wie das so läuft – also mit den Frauen und dem Verstehen.

Gleich nach der Einleitung kommt dann natürlich auch schon das erste Beispiel für eine Situation, in der die Frauen so viele Nachteile und die Männer so viele Vorteile haben:

„Wenn ich jetzt allein wäre, würde ich mich nicht durch diesen Hinterhof trauen“, sagt meine Freundin und greift meine Hand etwas fester. Bestimmten Schrittes gehen wir im Dunkeln voran. Zu unserer Rechten eine Gruppe Männer, die rauchend und trinkend eine Sitzbank in Beschlag nimmt. Augenpaare heben sich, musternde Blicke streifen im Vorbeigehen. Um die Ecke, außer Reichweite, betreten wir das Treppenhaus und nehmen die ersten Stufen. Sichtlich erleichtert geht meine Freundin voran.“

Und nur weil deine Freundin vielleicht ein armes verängstigtes Mäuschen ist, musst du das nicht pauschal auf alle Frauen übertragen. Und wie war das nochmal in der Einleitung: Die Lebensrealität von Frauen ist oft von Diskriminierung und Gewalt geprägt?
Wo war denn die Diskriminierung und Gewalt in dem Beispiel? Männer die gemütlich ihren Feierabend genießen, die kein Wort sagen und in keinster Weise irgendwie belästigen werden hier als Gefahr dargestellt?
Und natürlich wird diese Situation von dir, lieber Frauenversteher noch stark dramatisiert:

„Diese Begebenheit ist beispielhaft für eine simple Tatsache, der ich mir – leider – erst vor einiger Zeit wirklich bewusst wurde: Frauen leben in einer substantiell anderen Lebenswirklichkeit als Männer. Fast nie werden sie so respektvoll behandelt wie wir es gewohnt sind.“

Was ist in dieser Begebenheit nochmal passiert, was nicht respektvoll war? Hmm, gab es irgendwelche Sprüche? Gab es irgendwelche unangenehmen Berührungen, gab es irgendetwas, was nicht respektvoll war?
Außer vielleicht deine Unterstellung, dass man als Frau pauschal ein ängstliches Hascherl ist, weil deine Freundin so ist? Das ist im Übrigen sexistisch! Aber hey, du darfst das ja sagen, du bist ja ein lieber, einer der Guten, der Frauenversteher und du meinst das natürlich nicht so wie ein Machoarsch, der irgendwelche sexistischen Äußerungen ablässt!

Und im nächsten Absatz wird es dann noch allgemeiner:

„Weltweit sind Frauen Opfer von Unterdrückung, Sexismus und Gewalt. Im privaten und öffentlichen Raum, in der Beziehung, im Netz, im Beruf, auf Reisen – in allen Bereichen ihrer Leben. Weltweit gehen praktisch all diese Gewalttaten von Männern aus.

Klar, mit dem eigenen beschränkten Blick, mit dem du nicht einmal die Situation in Deutschland richtig einschätzen kannst (Kleiner Tipp: Es ist nicht alles nur schwarz weiß, sondern meist sehr viel grau), willst du erkennen können wie es im Rest der Welt zugeht?
Natürlich ist es in vielen Ländern so, dass Frauen unter Unterdrückung leiden müssen. Aber genau deshalb ist es doch noch perfider, so zu tun als wären Frauen hier in Deutschland ach so arme Opfer!
Und damit du nicht als ganz so mieser sexistischer Arsch dastehst (der du aber eigentlich bist), noch schnell eine Relativierung deiner Aussagen hinterhergeschoben:
„Um das klarzustellen: Das heißt nicht, dass alle Männer gewalttätig und Täter, alle Frauen friedfertig und Opfer sind. Auch Männer leiden an Gewalt, auch Frauen verhalten sich durchaus gewalttätig.“

Ernstnehmen kann das bei dem Rest deiner Ergüsse aber wohl keiner mehr…

Außerdem behauptest du folgendes:

„Diese strukturelle, in unseren Gesellschaften tief verankerte Gewalt bringt Frauen zum Schweigen, schränkt ihre Bewegungs- und Entfaltungsfreiheit erheblich ein.“

Das ist Unsinn. Das, was die Bewegungs- und Entfaltungsfreiheit von Frauen einschränkt sind solche Typen wie du, die Frauen immer als Opfer darstellen, die Frauen ängstigen, indem sie ihnen erzählen, dass es nicht möglich ist alleine als Frau durch die Stadt zu laufen. Die ihnen erzählen, wie groß doch die Gefahr von irgendwelchen Männern auf der Parkbank ist!
Und die dann meinen sich auch noch mit solchen Texten wie dem hier besprochenen als lieber netter Frauenversteher aufspielen zu müssen! Du bist schuld, dass deine Freundin Angst hat nachts alleine, weil du ihr immer wieder klar machst, dass die böse weite Welt ach so gefährlich für Frauen ist!

„Wenn ich reise, kümmere ich mich beispielsweise wenig darum, wie ich mich kleide oder zu welcher Tageszeit ich unterwegs bin. Im Netz bewege ich mich frei und unbeschwert, ohne Angst vor Androhungen von Vergewaltigung. Im Job muss ich mir keine anrüchigen Kommentare, ungebetene Annäherungen oder körperliche Übergriffe gefallen lassen. In einer Partnerschaft werde ich tendenziell nicht geschlagen oder missbraucht. Gemeinhin werde ich als Mensch und nicht als Objekt wahrgenommen.“

Freut mich für dich. Stell dir vor: den meisten Frauen geht es genauso! Außer vielleicht denjenigen, die so einen Freund oder Mann wie dich an ihrer Seite haben, der ihnen erzählt, dass das für sie alles nicht möglich ist, weil sie Frauen sind.
Außerdem erzählst du uns Frauen:

„Obwohl Frauen in ihrer Selbstbestimmung regelmäßig Einschränkungen erfahren, haben wir Männer viel zu selten ein Bewusstsein dafür.“

Welche Einschränkungen – abseits der idiotischen Behauptung Frauen könnten nicht alleine durch die Stadt gehen und sich frei bewegen – bitte?
Und du meinst vermutlich noch, du hast ein Bewusstsein dafür, wie es Frauen geht, was Frauen wollen? Oh man, ja du geiler Hecht, du hast es voll erfasst: Wir Frauen wollen alle einen Mann wie dich, der uns durch seine ständigen Erzählungen von Diskriminierung etc. davon abhält alleine auf die Straße zu gehen.
Ist das eigentlich so eine Masche? Der Macho verbietet der Frau, alleine rauszugehen und du ängstigst sie so sehr, dass sie sich alleine nicht mehr raus traut (zumindest ist das dann wohl der gewünschte und bei deiner Freundin auch erreichte Effekt)?

Und natürlich nimmst du alle Männer noch brav in Sippenhaft, gibst ihnen eine schuld qua Geschlecht an all den Verbrechen, die irgendwelche Arschlöcher da draußen begehen:

„Verantwortung zur Handlung tragen wir als Angehörige des männlichen Geschlechts, auch wenn wir nicht diskriminieren oder schlagen. Schweigen wir, so bedeutet das in gewisser Weise, dass wir uns auf die Seite einer ungerechten Sache stellen.“

Und du bist natürlich besser als all die anderen, die Schweigen, denn du hast diesen ach so tollen Artikel geschrieben, in dem du dich klar positionierst – natürlich auf der Seite der armen unterdrückten Frauen! Du bist sicher damit der Held aller Frauen!
Toll und bewundernswert finde ich auch, deine Tipps für andere Männer, damit sie ebenso ein so großartiger Frauenversteher und guter Mensch werden wie du:

„1) Sich bilden, fragen und zuhören: Es ist nicht an Frauen, uns Männern zu erklären, welche Probleme eine patriarchale Gesellschaft hervorruft.( …)Hierzu gehört auch, Fragen zu stellen und wirklich zuzuhören, wenn uns Frauen erklären, in was für einer Welt sie leben; im Gespräch davon abzusehen zu relativieren, zu verteidigen oder zum „Gegenangriff“ überzugehen.“

Es ist nicht an euch Männer zu erklären, sondern ihr sollt zuhören. Dass du mit deinem Artikel da eine klassisches Gegenbeispiel bietest merkste selber, oder?

„2) Anerkennen: (…)“

Aber sicher nicht die tatsächlichen vielen tausend unterschiedlichen Realitäten von vielen tausend unterschiedlichen Frauen. Sondern nur diejenigen, die dir, lieber Frauenversteher in den Kram passen!

„3) Neue Ideale von Männlichkeit entwickeln: (…)“

Oh ja. Am besten dich als Vorbild für das Ideal aller Männer! Du bist so gut, dass alle Männer sein sollten wie du!

Und ganz toll auch dein letzter Absatz im Artikel:

„Dann, vielleicht, geht eines Tages eine Frau allein bestimmten Schrittes im Dunklen über den Hinterhof. Zu ihrer Rechten findet sich eine Gruppe Männer, die rauchend und trinkend eine Sitzbank in Beschlag nimmt. Augenpaare heben und senken sich. Um die Ecke betritt die Frau das Treppenhaus und nimmt die ersten Stufen. Für sie ist das ein ganz normaler Weg nach Hause. Es ist nichts weiter dabei, vor allem keine Angst."

Nein, dafür sind deine Tipps alles andere als hilfreich! Du erreichst mit deinem dämlichen Getue nämlich genau das Gegenteil.
Stell dir vor, es gibt Frauen, die nicht einen solchen Frauenversteher wie dich an ihrer Seite haben und für die ist das heute schon ganz normal, sich alleine in der Welt zu bewegen – ohne irrationale Ängste!
Und vielleicht wäre auch deine Freundin eine solche selbstbewusste Frau, wenn du ihr nicht erzählen würdest, wie schlimm diskriminiert und Opfer sie doch ist!

Ps. Hier noch was interessantes für dich zum Lesen, damit du mal andere Lebensrealitäten von Frauen kennenlernst: