Freitag, 24. März 2017

Wie Männer übergriffiges Verhalten relativieren

In der Kommentardiskussion unter meinem Artikel „BDSM für Einsteiger“ ging es um die Beziehung von Anastasia und Christian Grey aus dem Bestseller „50 Shades of Grey“. Da ich die Meinung geäußert habe, dass ich diese Beziehung für eine missbräuchliche halte. Dass die Beziehung eine missbräuchliche ist, mache ich unter anderem daran fest, dass er ihren Willen bezüglich ihres Autos ignoriert und einfach ihr Auto verkauft. Weitere Beispiele waren, dass er sie stalkt während sie ihn nicht sehen will und auch generell alles bestimmen will.
Daraufhin schreibt Kommentator „Lolli“ folgende Aussage:

„Daraus aber nun wider irgendwas Negatives zu konstruieren, weil er (!) ihre Schrottkarre durch ein schönes neues Auto ersetzt (korrigier mich, wenn ich falsch liege), ist schon sehr weit hergeholt. Und super-*dumm*, wenn man das mal logisch durchdenkt - oder? Denk doch mal selber nach: Du magst Dein Cabrio. Schön. Würdest Du Dir *nicht* super-blöde vorkommen, wenn das jetzt jemand durch einen "da passt Du viel besser dazu" Bentley Continental ersetzen würde, und Du darüber meckerst? *Echt* jetzt?“

Und im ersten Moment dachte ich wirklich: „Das kann der doch nicht ernst meinen!“, aber anscheinend doch. Ich frage mich wirklich, ob es noch andere Menschen gibt, die diese Meinung vertreten, die nicht erkennen, dass das eindeutig übergriffiges Verhalten ist!
Es geht eben nicht darum, dass da ja ein netter, toller Mann ist, der ihr etwas Gutes tun möchte, sondern dass das, was er tut, ihr nur aus seiner Sicht gut tut und sie das eigentlich gar nicht will.
Und wenn mir jemand  mein schönes Cabrio durch einen Bentley Continental ersetzen würde ohne, dass ich dem zugestimmt hätte bzw. obwohl ich mich zuvor klar dagegen geäußert habe, dann würde ich nicht nur meckern, sondern mich auch mit ziemlicher Sicherheit von demjenigen trennen!
Dieses Verhalten zeigt nämlich nicht: „Ich hab dich gern und kümmere mich um dich bzw. möchte dir etwas Gutes tun!“, wie es der Kommentator anscheinend glaubt. Dieses Verhalten zeigt „Mir ist egal, was du willst, ich mache, was ich will! Ich respektiere deinen Willen/dich nicht! Ich setze mich einfach über dein Nein hinweg!“
Was soll ich mit einem Mann, der meinen Willen nicht respektiert?! Woher soll ich wissen, dass er in einer anderen Situation dann noch ein „Nein“ akzeptiert? Woher soll ich wissen, dass er dann nicht beispielsweise auch sexuell übergriffig wird. Der Schritt ist in dem Moment ja kein großer mehr…

Vielleicht sollten sich die Männer, die ähnlich denken wie „Lolli“ mal folgende Situation vorstellen: Du hast seit fünf Jahren ein tolles gut funktionierendes Blackberry Handy, mit dem du ganz wunderbar arbeiten kannst und alles funktioniert. Deine Freundin ist aber der Meinung, du müsstest dich mal von dem alten Teil trennen und etwas moderneres muss her. Du sagst ihr, dass du damit seit Jahren gut arbeitest und sehr gut klarkommst und kein Interesse an einem neuen Telefon hast. Daraufhin kauft deine Freundin das neueste I-Phone für dich und wirft dein altes Blackberry einfach weg. (Wir gehen davon aus, dass alle Daten zuvor übertragen werden).
Würdest du ein solches Verhalten nicht als übergriffig, sondern tatsächlich als toll und nett empfinden? Das würde mich jetzt tatsächlich wundern.

Der Kommentar geht ähnlich skurril weiter:

„Abgesehen davon, dass "ohne, dass sie dem zugestimmt hätte" vollkommener Unsinn ist: das halbe Buch besteht aus irgendwelchen Vereinbarungen, die er haben will, sie aber nicht geben will - und *nicht gibt* (mein Eindruck).“

Anscheinend hat er ja den gleichen Eindruck vom Buch wie ich ihn habe, weigert sich aber dennoch zu erkennen, dass es sich bei dem Verhältnis der beiden um eine Missbrauchsbeziehung handelt. Nur weil er mehrmals über ihren Willen hinweg handelt, ist das doch noch lange nicht in Ordnung!
Und was viele anscheinend nicht erkennen, der kleine feine Unterschied zwischen Missbrauch oder nicht ist der gleiche wie der zwischen Sex und einer Vergewaltigung: die Einvernehmlichkeit bzw. Zustimmung aller Beteiligten.

Ich habe auch den Eindruck, dass der Kommentator der Meinung ist, Geld und Reichtum sei tatsächlich etwas, womit man Frauen locken und behalten kann. Und wenn man das hat, sei es egal, wie man sonst so mit Frauen umgeht, sie haben ja ein tolles Auto, tolle Geschenke etc.
Aber glaubt mir, mit so etwas kann man evtl. einige wenige dumme Frauen beeindrucken, aber der Mehrheit sind sicher andere Dinge wichtig. Allen voran, dass ein Mann die Frau als gleichwertigen Menschen sieht, ihren Willen und ihre Entscheidungen respektiert und nicht einfach übergeht!

Mittwoch, 22. März 2017

Echte Frauen und das böse Photoshop

Schon wieder begegnete mir eine neue Werbekampagne , die doch – ganz revolutionär – nun echte Frauen zeigen sollte. Echte Frauen in einer Bikiniwerbung. Also echte Frauen am Strand, echte Frauen unter Palmen und alles ganz toll echt.
Ich frage mich bei solchen Bezeichnungen immer gerne, was sonst alles so unecht ist an Bikini-Models. Aber die Antwort wird natürlich sofort gegeben: Photoshop! Denn Photoshop ist böse…

Wo zum Teufel ist das Problem mit Photoshop? Ich finde ein unbearbeitetes Bild mehr so naja. Kann man natürlich machen, wenn man genau darauf die ganze Kampagne aufbaut und versucht, so die Damen zu gewinnen, die sowieso immer gegen Photoshop sind, weil keine Frau auf den Bildern aussieht wie sie.
Aber generell macht Photoshop (oder natürlich wahlweise ein anderes Bearbeitungsprogramm) natürlich den Unterschied zwischen einfacher Urlaubsfotografie und professionellen Bildern. Kein guter Fotograf verzichtet heutzutage auf dieses tolle Hilfsmittel. Und wenn ich beispielsweise ein TFP Shooting (Time for prints – es fließt kein Geld von keiner Seite) mache und der Fotograf würde die Bilder nicht bearbeiten, würde ich mir auch irgendwie verarscht vorkommen.
Schnappschüsse kann ich auch selber mit dem Selbstauslöser oder der Selfiekamera.
Dabei ist es im Normalfall nicht so, dass bei Fashion oder auch Streetfotografie die Bearbeitung bis zur Unkenntlichkeit ausgereizt wird. Normalerweise wird ein wenig an Kontrast, Schärfe, Licht etc. gearbeitet und auch Hautunreinheiten werden entfernt. Also kein professioneller Fotograf macht mit Photoshop aus einem 100kg Model, eines mit 50kg – außer natürlich die Gegner von Photoshop, die damit zeigen wollen, was so böse und schlimm an Photoshop ist.
Wenn es um künstlerisch gestalterische Bilder geht, dann kann Photoshop natürlich auch etwas weiter genutzt werden, z.B. für interessante, märchenhafte Composings. Aber wo ist dabei das Problem? Das ist eben eine neue moderne Art der Kunst. Und jedem Betrachter wird schnell klar sein, dass das Model nicht wirklich auf einem Einhorn daher reitet oder mit einem Minotaurus kämpft.
Angeblich ist das Problem von Photoshop in der Werbung aber, dass Frauen diese Plakate betrachten und ein Ideal sehen, welches sie selbst erreichen wollen und das frustriert dann.
Ist ja auch nicht klar, dass Models geschminkt und die Bilder bearbeitet werden – die sehen täglich so aus, wenn sie aufwachen. Für so blöd scheinen die Gegner von Photoshop zumindest die Mehrheit der Frauen zu halten, wenn sie fordern, Werbung ohne Photoshop oder Bilder die gephotoshopped sind, entsprechend zu kennzeichnen.  Man könnte ja auch einfach immer ein Einhorn ins Bild photoshoppen, um dem Betrachter zu zeigen: Hey, hier stimmt was nicht ;)
Vielleicht sollte sich jede Frau, die tatsächlich meint, in der Werbung ein unerreichbares Bild präsentiert zu bekommen, mal ein Fotoshooting bei einem guten Fotografen gönnen, dann gibt’s nämlich oft auch Bilder, die annährend einem Magazin entsprungen sein könnten.
Und im Übrigen heißt ohne Photoshop noch lange nicht „natürlich“, denn keine normale Frau lässt sich jeden Morgen ein bis zwei Stunden von einer professionellen Visagistin schminken. Und auch die haben es drauf – was Hautunreinheiten etc. angeht teilweise durchaus ähnlich gut wie Photoshop.
 
Ich denke, ich bin immer echt auf meinen Bildern – egal ob Urlaubsschnappschuss, professionelles Fashionfoto oder Composing. Echte Frauen bleiben echte Frauen! Und auch Models sind echte Frauen!

Montag, 20. März 2017

Kribbeln im Bauch

Nein, ich schreibe jetzt nicht, dass ich die große Liebe gefunden habe oder ähnliches. Das ist nicht der Fall. Aber wie auch schon ein oder zwei andere Texte nahelegen, mache ich mir in letzter Zeit Gedanken über Verliebtheit, Liebe, Beziehung und so weiter.
Ich habe mich bisher immer gefragt, was ist eigentlich Verliebtheit – und vor allem wie schaffen andere Menschen das so oft, sich in kürzester Zeit zu „verlieben“?
Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ich jemanden nur ein paar Tage oder Wochen kenne und dann bereits eine Beziehung mit demjenigen anfange. Ich muss jemanden erst gut kennenlernen und wissen, dass ich demjenigen vertrauen kann. Und gerade in dem Punkt bin ich oft extrem unsicher. Da es allgemein so ist, dass die Mehrheit der Menschen eben oft und gerne lügt, weiß ich nie, ob da jetzt jemand ehrlich zu mir ist oder nicht.
Aber jetzt hatte ich ein Erlebnis, bei dem ich eine interessante Beobachtung machen konnte: Ich habe einen Menschen kennengelernt (bisher sogar nicht einmal real), bei dem ich von Anfang an ein unglaublich gutes Gefühl hatte, dem ich sofort vertrauen konnte.
Wir haben über einiges geredet, was kaum ein anderer von mir weiß – und ich hatte das Gefühl, dass er mir ebenfalls auch vertraut, da er mir auch einige persönliche Dinge erzählt hat.
Ob wir deshalb jetzt Freunde werden, muss sich natürlich noch ergeben – da bin ich dann doch so, dass ich jemanden zunächst besser kennenlernen muss.

Aber ich freue mich über den Kontakt, über die guten (und manchmal auch ziemlich versauten) Gespräche. Und ich habe manchmal eben dieses Gefühl, dieses Kribbeln im Bauch, was ich kaum kenne bzw. äußerst selten gespürt habe.
Und möglicherweise ist es genau das, was andere Menschen eben als verliebt bezeichnen. Aber vielleicht denke ich einfach zu rational, zu überlegt, um Worte wie dieses für Menschen zu nutzen, die ich kaum kenne…

Freitag, 17. März 2017

BDSM für Einsteiger

Der zweite Film der Serie „50 Shades of Grey“ ist seit kurzem in den Kinos. Und es gibt immer noch haufenweise Frauen, die diese Geschichte und den Film lieben. Angeregt durch den Bezug zum BDSM, der gerne mit dem Film hergestellt wird, wollen auch immer mehr nun die etwas härtere Gangart ausprobieren. Ganz unvorbereitet begeben sich jetzt haufenweise Frauen in Internetforen auf die Suche nach einem Dom, der ihnen mal den Arsch versohlt.
Immer wieder werde ich in Foren oder Gruppen in sozialen Netzwerken mit naiven Fragen von „Möchtegern-Subs“ konfrontiert, die sich unsicher sind, ob sie dies oder jenes wirklich tun müssen. Was dazu gehört, eine richtige Sub (oder gern auch gleich ganz Sklavin) zu sein.
Und ich finde es erstaunlich wie Frauen, die teilweise zwanzig Jahre älter sind als ich wirklich solche Fragen stellen, solche Denkmuster haben. Als müsste man diese Damen beschützen wie junge Mädchen.
Aber natürlich ist es besser andere, erfahrenere zu fragen, als sich völlig unvorbereitet auf ein Treffen mit einem Dom einzulassen. Denn das kann unter Umständen nicht einfach nur schlechter Sex, sondern auch gefährlich werden.
Damit das allerdings nicht passiert, habe ich hier mal ein paar Tipps zusammengestellt, die man beachten sollte, wenn man sich als unerfahrener Neuling in das Terrain BDSM wagt:

1.      Sei dir bewusst, was du eigentlich willst! Sei ehrlich zu dir selbst!
Du solltest dir darüber Gedanken machen, was du dir von der Erfahrung versprichst: Geht es darum, deine Neugier zu befriedigen oder vielleicht sogar einen schon lang gehegten Wunsch wahr werden zu lassen? Oder möchtest du vielleicht nur gerade auf einem Trend mitschwimmen, weil du als Trendsetter immer vorne mit dabei bist und/oder ein Erlebnis hast, mit dem du deine Freunde beeindrucken kannst.
Im zweiten Fall rate ich dir dringend von dem Vorhaben ab! Das könnte gewaltig in die Hose gehen!

2.     Hol dir Informationen eine und bereite dich innerlich vor!
Informier dich im Internet über Praktiken und mach dir Gedanken, was du davon wirklich ausprobieren möchtest und was auf keinen Fall, damit es nicht zu unangenehmen Überraschungen kommt bei einem Treffen.
Sei dir bewusst, dass Schläge – egal, ob mit der Hand oder einem Schlagwerkzeug -  beispielsweise nicht einfach nur „total romantisch und geil“ sind, sondern tatsächlich weh tun.

3.      Sei ehrlich zu deinem Gegenüber!
Wenn du keine Erfahrung hast, solltest du das unbedingt auch kommunizieren! Es bringt nichts, dich selbst als total devot und erfahren darzustellen, wenn es nicht so ist. Damit schadest du letztendlich nur dir selbst. Eine Session kann physisch und psychisch sehr belastend sein und ein Dom wird mit einem Neuling viel sanfter und vorsichtiger umgehen als mit einer erfahrenen Sub.
Ihr solltet ein ausführliches Gespräch zuvor führen, was du dir vorstellst und was du auf keinen Fall möchtest etc. Aber sei dir dennoch bewusst, dass ein Dom nicht dazu da ist, nur deine Wunschliste abzuarbeiten, sondern auch seine eigenen Wünsche mit einbringt und auch versuchen wird, dich an deine Grenzen zu bringen.

 

4.     Hör auf dein Gefühl!
Wenn du jemanden kennenlernst, aber bei demjenigen ein schlechtes Bauchgefühl hast, lass dich nicht auf ein Treffen ein. Egal, wie unlogisch dir deine Befürchtungen auch vorkommen. Wenn du unsicher bist und dich nicht fallen lassen kannst, hat das sowieso wenig Sinn.
Und es wird sich sicher auch noch eine andere Person finden lassen, mit der du deine ersten Erfahrungen sammeln kannst.
Und mach unter keinen Umständen etwas, wobei du dich nicht wohlfühlst. Wenn jemand Dinge von dir verlangt, die du nicht möchtest, weise ihn darauf hin, dass das deine Grenzen überschreitet. Ein guter Dom versteht das und wird darauf Rücksicht nehmen.
Wenn dein Gegenüber dir dann allerdings erzählt, du müsstest dies oder jenes tun, sonst seist du keine richtige Sub bzw. nicht wirklich devot, dann such dir besser ganz schnell einen anderen!
Jemand, der keine Rücksicht nimmt und versucht dich als Anfänger in die Richtung zu beeinflussen, die du nicht möchtest, ist sicher nicht der Richtige für die ersten Erfahrungen im BDSM.

5.      Safeword
Vereinbart ein Safeword. Ein Wort, bei dessen Nennung alle Aktionen sofort abgebrochen werden. Es sollte etwas sein, dass einem nicht versehentlich rausrutscht, beispielsweise „Bahnhof“, „Schmetterling“ o.ä. (natürlich auch nicht so kompliziert, dass es einem in einer Notsituation nicht einfällt).
Denk in jeder Situation daran, dass du in der Lage bist, deinen Willen zum Abbruch deutlich zu machen. Das bedeutet beispielsweise, wenn du geknebelt bist, solltest du eine andere Möglichkeit haben als das Safeword, mit der du unmissverständlich zeigst, dass es nicht mehr geht. Handzeichen etc.
 
6.     Covering
Covering bedeutet, dass du dich über eine Freundin (oder einen Freund) absicherst, wenn du dich mit einem Mann triffst, denn du nicht bereits kennst. Du gibst deiner Freundin alle Infos, die du über den Mann und euer Treffen hast (Also Name, Treffpunkt etc.). Wenn du beispielsweise bei einem Mann ins Auto steigst, fotografiere das Kennzeichen und schick das besagter Freundin ebenfalls.
Du sagst ihr Bescheid, wenn du zu dem Treffen fährst und wann du dich nach dem Treffen wieder meldest. Solltest du dich nicht melden, wird deine Freundin versuchen, dich zu erreichen und im Notfall selbst zum Treffpunkt fahren oder die Polizei informieren.

7.     Hab Spaß!
Natürlich geht Sicherheit immer vor, aber gerade beim BDSM sollte der Spaß nie zu kurz kommen, denn darum geht’s schließlich! ;)

Dienstag, 14. März 2017

Minimalismus

Was braucht ein Mensch eigentlich wirklich, was brauche ich eigentlich wirklich?
In der Menge der Dinge verliere ich mich selbst. Früher war es tatsächlich so, dass ich beispielsweise nur drei Paar Schuhe hatte: Alltagsschuhe, Winterschuhe, Sandalen – das war alles. Ein paar Schuhe habe ich so lange getragen, bis sie kaputt/durchgelaufen waren.
Ein paar Kleider, ein paar Hosen/Röcke und Oberteile (in der Anzahl meist unter zehn) waren auch ausreichend.
Mittlerweile besitze ich ca. 50  Paar Schuhe, 20 Röcke, annähernd 100 Oberteile und wohl auch über 50 Kleider – und ziehe sowieso meist die gleichen 5 Sachen an…
In meinen Regalen stehen 500 Bücher, von denen ich hunderte seit Jahren nicht mehr gelesen habe und vermutlich auch nie wieder lesen werde.
So viele Dinge, so viel Kram, den ich eigentlich nicht mehr brauche, nie verwende.
Eine Einstellung der Art: Dass die Dinge, die ich habe, mir niemand mehr nehmen könnte, führte dazu, dass ich immer mehr Dinge angehäuft habe. Dinge, die mich abhängig machen, die mich belasten. Bei jedem Umzug muss man Dinge einräumen, ausräumen, umräumen. Dinge nehmen Platz weg und bringen Unruhe ins Zuhause.
Ich merke, dass viele Dinge zu haben eher belastend ist als alles andere – man macht sich Sorgen um den Verlust der Dinge, die man eigentlich sowieso nicht braucht.

In einem Interview mit dem Gründer eines IT-Start-Ups hat dieser eine recht interessante Erkenntnis genannt: Je mehr Geld er hatte, umso weniger Wert hat er auf materiellen Besitz gelegt. Weil das meiste sich durch Geld jederzeit ersetzten lässt. Wenn man zwei Pullover hat, aber die Sicherheit, sich im Notfall (wenn einer kaputt geht) jederzeit einen neuen kaufen könnte, dann lebt es sich doch viel angenehmer als mit 50 Pullovern, bei denen man sich kaum entscheiden kann, welchen man anzieht.

Was macht das Leben wirklich lebenswert? Doch nicht 10.000 Dinge in der Wohnung, sondern tolle/großartige Erlebnisse und Menschen! Das ist das, was ich will: mich lösen vom Materiellen und wieder mehr auf Erlebnisse und das Entdecken der Welt konzentrieren!

Sonntag, 12. März 2017

Beziehungsformen

Ich habe diesen wundervollen Text durch Zufall entdeckt. Der ist zwar schon etwas älter, drückt aber so vieles einfach perfekt aus, was ich selbst schon oft gedacht habe.
Deshalb möchte ich hier daraus ein paar Dinge zitieren und noch mit persönlichen Überlegungen und Geschichten ergänzen.

„Und genau genommen soll es darum im Grunde ja auch gar nicht gehen, denn wo in monogamen Beziehungen einmal von Liebe gesprochen wird, darf alles andere überhaupt nicht mehr Liebe sein.“

Das ist eben eine sehr interessante Frage (die unter anderem vor kurzem auch bei Alles Evolution gestellt wurde): Was ist eigentlich Liebe? Und warum kann man nur einen Menschen lieben bzw. sollte man nur einen Menschen lieben. Es sei denn man empfindet eine andere Art von Liebe wie beispielsweise die Liebe zu engen Verwandten etc.

„Da Liebe weder genau zu definieren, noch sichtbar ist, lässt sich über sie nur sehr schwer eine Exklusivität herstellen, die für monogame Beziehungen ja notwendig ist. Jene Exklusivität wird viel mehr darüber erreicht, dass es nur einen Menschen geben soll, mit dem man kuschelt, den man küsst, mit dem man schläft. Dass man selbst der einzige Mensch ist, mit dem der andere diese Körperlichkeit teilt, soll gleichbedeutend damit sein, dass man auch der einzige Mensch ist, der von ihm geliebt wird.*** Denn wer einen Menschen wirklich liebe, brauche ja keine anderen, und Liebe sei ja, wenn Treue Spaß mache.“

Vielleicht lasse ich mich deshalb bisher nicht wirklich auf Beziehungen ein: Ich will nicht nur mit einem Menschen kuscheln, küssen und schlafen dürfen! Ich möchte, dass ich das Zusammensein mit allen Menschen, die ich gern habe, genießen kann. Ich möchte meine Gefühle nicht beschränken müssen auf eine einzige Person. Liebe bzw. Zuneigung ist doch eigentlich nichts, dass weniger wird, wenn man es teilt. Schon ein bekanntes Sprichwort sagt schließlich „Glück und Freude sind Dinge, die mehr werden, wenn man sie teilt“ (oder so ähnlich).

„Und genau deshalb werden „Beziehungen“ in Abgrenzung zu „Freundschaften“ auch körperlich definiert, während „Freundschaften“ platonisch und weniger intensiv sein sollen. Ein Verhältnis, das als ein „freundschaftliches“ definiert wurde, wird in der Regel schon deshalb keine oder nur geringe körperliche Nähe beinhalten, um einer „Beziehung“ ja nicht zu sehr zu ähneln und so ihre Exklusivität infrage zu stellen.“

Und genau diese komische Abgrenzung gibt es bei mir nicht – gab es eigentlich noch nie wirklich. Wenn ich jemanden sehr gerne habe, dann möchte ich demjenigen oft auch gerne körperlich nah sein, mich aber dennoch nicht auf eine exklusive Beziehung beschränken, da dies ja wiederum bedeuten würde, dass ich niemand anderem mehr körperlich nah sein kann darf.
Ich habe dieses Konstrukt bisher immer als eine Art Freundschaft Plus für mich bezeichnet und genau diese Art Freundschaft sind mir eigentlich die liebsten Beziehungen: Man ist glücklich miteinander und schränkt niemanden ein. Man kann ehrlich und ohne schlechtes Gewissen mit demjenigen auch darüber reden, wenn man Interesse an jemand anderes hat. Man hat keinen Druck, etwas zu verheimlichen… Eigentlich könnte ich schon sagen, ich liebe meine Freunde mit Plus ;)

Im weiteren Verlauf verweist der Text darauf, dass auch einfache körperliche Berührungen wie Umarmungen oder ähnliches mittlerweile in Freundschaften eher unüblich sind. Man versucht dies alles nur auf die monogame Zweierbeziehung zu beschränken und so entsteht für viele Singles eine sozial kalte Welt, in der sie kaum Nähe und Geborgenheit erfahren. Oder anders ausgedrückt:

„Wo Monogamie ist, müssen Freundschaften platonisch bleiben, (auch) aus der Monogamie folgt die soziale Kälte.** Selbst für jene, die vielleicht eine Zweierbeziehung eingegangen sind, denn auch sie sind betroffen von der allgegenwärtigen Distanz allen anderen Menschen gegenüber. Sich in Form einer monogamen Beziehung an einen Menschen zu binden, heißt letztlich auch, sich von allen anderen zu trennen.“

Den nächsten Abschnitt zitiere ich einfach mal so komplett ohne Kommentar, da diese Gedanken auch bereits eins zu eins so in meinem Kopf waren:

„Wenn ich eine Beziehung eingehe, soll ich den anderen Menschen lieben, ich soll mit ihm schlafen, kuscheln, knutschen und Händchen halten. Schließlich bin ich für ihn dann ja der einzige Mensch, mit dem das alles überhaupt möglich ist; ich allein soll in diesem Moment für die Befriedigung seiner Bedürfnisse zuständig sein. Und wenn ich keine Beziehung mit ihm eingehe, ich also nur mit ihm befreundet bin, darf ich ihn nicht lieben, darf ich nicht mit ihm schlafen, nicht kuscheln, nicht knutschen, nicht Händchen halten. Weil das ja dann dem Menschen vorbehalten sein soll, der mit ihm zusammen ist/kommen soll. Kurz: Ich muss alles wollen oder gar nichts, mich für oder gegen ein Gesamtpaket entscheiden. Anstatt also zwischenmenschliche Beziehungen, die so vielseitig sein könnten, individuell anhand konkreter Bedürfnisse zu gestalten, verstauen wir sie in vordefinierten Schubladen („Freundschaft“, „Beziehung“), auf denen steht, welche Bedürfnisse in ihnen Platz finden (müssen) und welche nicht. Und das machen wir nicht grundlos, sondern weil Monogamie nur so funktioniert.

Ich würde mir wünschen, Menschen wären tatsächlich frei, einander unvoreingenommen begegnen zu können: Es müsste nichts, aber es dürfte alles sein. Wir würden gemeinsam schauen, was wir miteinander möchten, würden vielleicht ein wenig experimentieren, Gemeinsamkeiten entdecken und Unterschiede. Es wäre selbstverständlich für uns, uns Gedanken zu machen darüber, was wir eigentlich genau mit einem anderen Menschen möchten und wir könnten Menschen und ihre Bedürfnisse so akzeptieren wie sie sind, und würden nicht mehr versuchen, sie an unsere Idealvorstellungen von „Beziehungen“ und „Freundschaften“ anzupassen, weil es uns schlicht egal wäre, wie wir das Ganze nennen. Es wäre nicht mehr von Bedeutung, weil wir uns für das, was ist, niemandem gegenüber mehr rechtfertigen müssten. Und beschreiben ließen sich unsere zwischenmenschlichen Beziehungen anhand konkreter Bedürfnisse und Gemeinsamkeiten weit treffender als über jene Kategorien, die nur einengend und missverständlich sein können.“

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich genau von Monogamie halte. Ich weiß nicht einmal, wie genau ich das definieren würde… Ist eine offene Beziehung nicht eigentlich auch eine Art von Monogamie?
Und ist Monogamie nicht auch vielleicht wichtig für die Sorge um Kinder?
Richtig ist allerdings der Teil, den ich zuvor zitiert habe: Ich wünschte man könnte einfach frei und unvoreingenommen miteinander umgehen und das machen, wonach einem gerade ist. Ganz ohne Kategorien und Rechtfertigungen!

Freitag, 10. März 2017

Feminismus und nackte Brüste

Emma Watson, die sich seit einiger Zeit bereits zum Feminismus bekennt und auch als Uno-Frauenbotschafterin entsprechende Reden hält, zeigt sich jetzt in der Vanity Fair sexy, beinahe oben ohne und erntet dafür online einige Kritik. Insbesondere der Beitrag einer Londoner Radiomoderatorin auf Twitter wurde immer wieder geteilt:


Darauf reagiert Emma Watson in einem Interview mit BBC folgendermaßen:
"Im Feminismus geht es darum, Frauen eine Wahl zu geben. Feminismus ist kein Stock, mit dem man andere Frauen schlagen kann" …  "Es geht um Freiheit, um Befreiung, um Gleichberechtigung. Ich weiß wirklich nicht, was meine Titten damit zu tun haben."

Und genauso sehe ich das auch! Mit vielem anderen, was Emma Watson gesagt hat, konnte ich mich nicht identifizieren und fand ich teilweise ziemlich falsch. Aber hier hat sie definitiv Recht! Warum sollte man als Feministin sich nicht auch sexy und verführerisch zeigen dürfen? So lange man selbst dahinter steht und es eine eigenständige Entscheidung ist, sehe ich nichts Falsches daran!
Wenn Femen blank ziehen, um damit zu protestieren wird das von den meisten Frauen bzw. Feministinnen allgemein als empowernde Aktion gesehen, aber wenn eine Emma Watson sich leicht bekleidet in der Vanity Fair zeigt, kann sie keine Feministin sein!

Feminismus bedeutet Gleichberechtigung und Freiheit! Feminismus bedeutet auch, dass ich mich ausziehen darf für Bilder. Feminismus bedeutet, dass ich sexy sein darf! Feminismus bedeutet, dass ich Lustobjekt sein darf!
Feminismus bedeutet auch, dass ich all das nicht sein/tun muss, wenn ich nicht will! Das ist Freiheit!

 

Dienstag, 7. März 2017

Und noch ein Experiment: SPEED

Speed  ist eine Mischung verschiedener Amphetaminen mit Verschnittstoffen. In der Regel wird Speed als weißes (manchmal eingefärbtes) Pulver seltener in Tabletten- oder Kapselform sowie als Tropfen angeboten.

Wirkung: Speed ist ein Psychostimulans und wirkt aufputschend. Durch die Freisetzung der Botenstoffe Noradrenalin und Dopamin steigt die Körpertemperatur, Puls und Atmung werden beschleunigt, der Blutdruck erhöht. Schmerzempfinden, Hunger und Schlafbedürfnis werden unterdrückt. Speed steigert die körperliche Leistungsfähigkeit (in kleinen Mengen auch die geistige Leistungsfähigkeit) und ermöglicht so ein nächtelanges Durchtanzen, ohne subjektiv empfundene Ermüdungs- und Erschöpfungszustände. Kann außerdem sexuell stimulierend wirken.

Nebenwirkungen: Es kann zu visuellen und akustischen Halluzinationen kommen.
Beim Sniefen kommt es zu einem starken Brennen an Nasen- und Rachenschleimhaut.
Auf physischer (körperlicher) Ebene können auftreten: Pupillenweiterung, erhöhter Puls, Zittern, Muskelkrämpfe, Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Übelkeit, erhöhte Körpertemperatur und Appetitlosigkeit sowie Herzrasen und Herzrhythmusstörungen.
Auf psychischer Ebene: Unruhe, Nervosität, Angstzustände, paranoide Gefühlszustände (Verfolgungswahn), Aggressionen, Schlafstörungen.
Nach dem Abklingen der Rauschwirkung können starke Erschöpfungszustände und großes Schlafbedürfnis, Konzentrationsmangel, Gereiztheit und Heißhunger auftreten. Es kann auch zu Depressionen kommen.

Mischwirkung - Speed und Cannabis: Cannabis verstärkt die Wirkung von Methamphetamin, es kann zu einer extremen Belastung des Kreislaufs kommen.

Mögliche Folgen nach dem Abklingen der Wirkung:
Depression und Ängstlichkeit
Erschöpfung und Lethargie
Schlafstörungen
Kopfschmerzen und Gedächtnisstörungen
Gefahr, die Katerstimmung mit weiterem Speedkonsum zu „lindern“, was auch die Gefahr einer Abhängigkeitsentwicklung mit sich bringt

Die Neugier trieb mich! Bewusst der Wirkungen und Nebenwirkungen und der Gefahr der Abhängigkeit, war ich mir allerdings dennoch ziemlich sicher, dass ich damit klarkomme (was auch so war, aber dazu später mehr).
Da man Speed natürlich nicht einfach im nächsten Supermarkt bekommt, habe ich einen Freund gebeten, mir etwas zu besorgen. Bei einem solchen Fall weiß ich schon, an wen ich mich wenden muss in meinem Freundeskreis (nicht nur eine Person, die Kontakt in die Drogenszene hat, sondern der ich auch zu 100% vertrauen kann!). Dieser wollte mir aber zunächst von meinem Versuch abraten, da er nicht dafür mitverantwortlich sein wollte, wenn ich doch häufiger mich zu der Droge hingezogen fühlen würde.
Aber ein Freund ist nunmal doch ein echter Freund, der einen zwar warnt, aber dennoch unterstützt – also habe ich bekommen, was ich wollte bzw. wir hatten gemeinsam einen experimentellen und interessanten Abend…

Es ist nachts um zwei – ich bin hellwach. Ich bin zu Besuch bei einem Freund, irgendwo in Deutschland, in einer kleinen beschaulichen Kurstadt. Wir beschließen spazieren zu gehen: Der Kurpark ist in der Nacht ganz wunderbar beleuchtet. Ich tanze im Licht um einen Springbrunnen. Es ist schön, alles so ruhig erleben zu können.
Als wir wieder in der Wohnung zurück sind, packt er mich, wirft mich auf die Couch und wir küssen uns leidenschaftlich und schlafen miteinander, länger und intensiver als sonst.

Ich achte darauf viel Wasser zu trinken, da Speed dem Körper Flüssigkeit entzieht.
Urknall, Relativitätstheorie, dunkle Materie – alles sehr vielversprechende, tolle Themen für eine Unterhaltung in der Nacht, wenn man nicht müde wird.
Weitere private Dinge wurden besprochen, ich habe viele neue Impulse bekommen, zum Weiterdenken auf dem Weg zu wichtigen Erkenntnissen bezüglich erlebtem in der Kindheit und meiner bzw. seiner Familie.

Es blieb auch nicht bei einmal Sex, der normal starke Erschöpfungszustand allerdings trat nicht ein. Und trotz gleichzeitigem Konsum von Cannabis blieben die normalen Wirkungen wie Heißhungerattacken aus. Scheint tatsächlich nur verstärkend bezüglich der Amphetamine zu wirken und die eigene Wirkung steht dahinter zurück (auch die normalerweise leicht benebelte Wahrnehmung (weiß gerade nicht wie ich das anders erklären soll) war nicht vorhanden.

Die Nebenwirkung vor der ich tatsächlich am meisten Angst hatte, waren, Angstzustände bzw. Verstärkung depressiver Phasen, da ich durch jahrelange Depression hier vorbelastet bin. Ich hatte eine Befürchtung, hatte Erwartungen, aber diese Art der Folgen trat bei mir glücklicherweise nicht ein. (Die Wirkung und Nebenwirkungen hängen sicher auch von der individuellen Person ab und das soll jetzt nicht heißen, dass es bei niemandem zu entsprechenden Wirkungen kommt.)
Allerdings hatte ich im hinteren Bereich an der Zunge leichte Verletzungen, was beim Kauen schmerzte, das hielt ca. 1-2 Tage an und war schon ziemlich unangenehm. Dies war glücklicherweise die einzige negative Wirkung.

Auch dem Drang, die Droge erneut zu nehmen widerstand ich. Ja, das Gefühl, keine Müdigkeit zu spüren, hochkonzentriert zu sein etc. ist wirklich gut und man verspürt den Wunsch das wider zu erreichen. Da ich mir aber von Anfang an bewusst war, dass eine Wiederholungsgefahr durch psychische Abhängigkeit besteht und ich so auch hierauf vorbereitet war, ist der Widerstand gegen den Wunsch, wieder einmal zur Droge zu greifen dann doch stark genug.

Das Experiment ist bereits einige Monate/Jahre her (nochmal mache ich nicht den Fehler zeitglich bzw. nach kurzer Zeit zu berichten) und ich habe kein weiteres Mal Drogen genommen.

Samstag, 4. März 2017

Empathie

Empathie ist meist das, was Menschen behaupten, das sie hätten, wenn sie sich wieder mal über die Gefühle von anderen hinwegsetzen und pauschal davon ausgehen, jeder müsste so fühlen wie sie selber.

Angeblich bedeutet Empathie, sich in andere Menschen hineinversetzen zu können, um zu fühlen, was diese fühlen. Das ist aber ziemlicher Schwachsinn: Kein Mensch kann sich in einen anderen hineinversetzen. Man kann sich höchstens vorstellen, wie man sich selbst in der entsprechenden Situation fühlt, nicht wie andere das tun. Jeder Mensch bringt eine bestimmte Menge an Erfahrungen und Erlebnissen mit, die die eigene Haltung beeinflussen. Das bedeutet, wenn ich mir vorstelle, wie ich mich in der gleichen Situation fühlen würde, die ein Gegenüber gerade erlebt, wird diese Vorstellung natürlich durch meine eigene Vergangenheit – die sich stark von der des Gegenüber unterscheiden kann – beeinflusst. Und so kann man natürlich nicht immer nachvollziehen, wie sich ein anderer fühlt. Bei Menschen, die ähnliche Lebensumstände/kulturelle Hintergründe haben wie man selbst, fällt es einem leichter als bei anderen.

Außerdem fällt es umso schwerer sich in Situationen hineinzuversetzen, zu denen man geringen bis keinen persönlichen Bezug hat – oder bei denen man denkt, dass man selbst sowieso nicht in die Situation kommen wird.

Das ist vermutlich auch das Problem wenn es um Themen geht wie Sexarbeit. Viele Menschen können sich selbst nicht vorstellen, das überhaupt in Erwägung zu ziehen. Als Frau mit einem fremden Mann schlafen für Geld – das empfinden viele als widerlich und können sich niemals vorstellen, dass es anderen Menschen nicht so geht. Aus dieser Einstellung entsteht ein pauschales Mitleid mit allen Sexarbeiterinnen, das nennt man dann auch noch Empathie…

Den meisten Menschen scheint es nicht möglich zu sein, die Situation sachlich von außen zu betrachten – und vor allem zu differenzieren. Gerade im Bereich Sexarbeit gibt es so viele unterschiedliche Bereich und Menschen, dass es überhaupt nicht möglich ist, diese alle pauschal in einen Topf zu schmeißen. Und Betroffenen zugehört wird dann auch nicht mehr bzw. nur denjenigen, die die eigene Gefühlslage bestätigen.

Es soll hier aber nicht um Sexarbeit gehen. Auf das Thema gebracht hat mich eigentlich eine Freundin, die beim Thema Ladenöffnungszeiten am Sonntag pauschal äußerte, dass die Mitarbeiter ihr leid täten. Als ich sie gefragt habe, warum, kam die Antwort Empathie. Das fand ich aus mehreren Gründen unverständlich: Es gibt viele andere Berufe, die Sonntags arbeiten müssen (Gaststätten, Hotels, Krankenhäuser, Vergnügungsparks, Schwimmbäder, Theater…). Warum tut einem also plötzlich eine bestimmte Berufsgruppe leid? Und wieso tun einem überhaupt Leute leid, weil diese Sonntags arbeiten – so gut wie immer wird das durch einen in der Woche ausgeglichen. Was natürlich auch ein Vorteil sein kann, denn man kann diesen Tag nutzen, um Besorgungen zu erledigen, Ämter und Banken aufzusuchen etc.

Es gibt sicher Menschen, die arbeiten am Sonntag nicht besonders gut finden und sicher auch solche, die lieber den freien Sonntag bevorzugen. Wenn man jetzt aber pauschal Mitleid für die gesamte Berufsgruppe hat, ignoriert man solche Personen, die eigentlich lieber an einem Sonntag arbeiten – man unterstellt allen Menschen, sie würden so fühlen wie man selber. Und verkauft das auch noch positiv unter dem Label Empathie.

Als wir uns weiter darüber unterhalten haben, kamen wir daraus, dass sie ähnliche Betrachtungen angestellt hätte, wenn ich sie neutral aufgefordert hätte, sich zum Thema Ladenöffnungszeiten am Sonntag bzw. wie es den Mitarbeitern damit geht, zu äußern.

Das deutet für mich daraufhin, dass die meisten Menschen sehr wohl in der Lage sind, eine Situation von außen neutral und mit Abstand zu betrachten, aber intuitiv, unlogisch gefühlsmäßig reagieren, wenn man sie nicht direkt auffordert, sich neutral mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Empathie ist ein Unwort, um sich arrogant übergriffiges Verhalten schönzureden.

 

Dienstag, 28. Februar 2017

Alles Neu

Ich habe wie euch vielleicht aufgefallen ist, wieder mal mein Blogdesign geändert. Irgendwie war ich damit nicht zufrieden. Auch habe ich darüber nachgedacht zu einem anderen Anbieter zu wechseln, mich aber für den Moment dagegen entschieden.
 
Jetzt kann es hier wieder richtig losgehen und in den nächsten Wochen folgen einige Artikel zu interessanten Themen!
Zur Einstimmung auf das neue Design und irgendwie auch noch auf das neue Jahr, gibt es ein paar Fotos vom Karneval. Den ich wie die letzten Jahre mal wieder in Venedig verbracht habe.