Samstag, 3. Dezember 2016

Böser Pelz

Es gab mal eine Zeit, in der galten Pelzmäntel oder andere Dinge aus Pelz als schick und edel. Heutzutage ist eher das Gegenteil der Fall.
Seit Öko und Umweltschutz zum neuen Trend mutiert ist, wird auch nicht mehr nachgedacht, sondern oft unüberlegt verurteilt. Wenn in sozialen Netzwerken Fotos gepostet werden, auf denen in irgendeiner Weise Pelz zu sehen ist, kommt sicher bald ein Kommentar, dass der hoffentlich nicht echt ist.
Warum das? Beziehungsweise warum gibt es keine ähnlichen Reaktionen bei Leder? Lederjacken, Lederstiefel und Ledergürtel gelten bei der Mehrheit weiterhin als toll und modern. Obwohl es im Prinzip das Gleiche ist – wenn auch anderes Tier.
Ich finde nicht, dass das Leben des einen Tieres weniger wert ist als das des anderen!
Daran erkennt man meiner Meinung nach gut, wer tatsächlich um Tiere besorgt ist und wer einfach gerne dem Mainstream folgt und daraus Pelz, aber Leder nicht verurteilt. Wäre mal ein interessantes Experiment auch unter Fotos mit Lederkleidung zu posten, dass diese hoffentlich nicht echt ist. 
Ich habe übrigens ein Heidschnuckenfell in meiner Leseecke. Heidschnucken sind eine alte Schafrasse mit ganz langen Haaren. Das Fell ist echt und ich sehe da kein Problem. Ich denke, es ist wesentlich wichtiger, dass ein Tier ein schönes Leben hatte als das, was nach dem Tod mit dem Tier passiert. Die Heidschnucke hat fast ihr ganzes langes Leben in der Sennelandschaft mit viel Freiraum und Heide mit ihrer Herde und dem Schäfer gelebt. Dem Tier ging es gut, darum weiß ich nicht, warum ich ein schlechtes Gewissen haben sollte.
Mein nächstes Pelzobjekt wird übrigens eine Fuchsstola. Gerade für den Winter sehr weich und kuschelig. Der Fuchs dafür lebt in den Wäldern der Alpen, frisst haufenweise Hühner und scheint ganz glücklich gewesen zu sein.
 
Das Problem an Pelz – wie auch bei Leder - , welches tatsächlich relevant ist, ist doch eigentlich nicht, dass der Pelz verwendet wird. Das eigentliche Problem ist, dass häufig Tiere unter schrecklichen Bedingungen ihr ganzes Leben lang gehalten werden, nur um dann deren Fell oder eben Leder teuer zu verkaufen. Dies ist in jedem Fall zu verurteilen – egal ob Pelz oder Leder!
Aber wen interessiert das tatsächlich, wenn er sich einen Ledergürtel kauft und sich im nächsten Moment auf Facebook ganz entrüstet über Pelz äußert?! Diese Mitläufer Möchtegern Tierschützer kotzen mich an! Doppelmoral vom feinsten.
 
Es würde wirklich niemandem schaden, wenn man sich informiert, woher Fleisch, Milch, Käse, Leder, Pelz stammen und wie es den Tieren ging statt pauschal alles zu verteufeln.

Montag, 14. November 2016

Status und Charakter machen attraktiv

Immer wieder taucht die Frage auf, was eigentlich attraktiv bzw. anziehend macht. Abgesehen von Äußerlichkeiten kann dies – und ist es häufig – der Status einer bestimmten Person sein.
Warum etwa finden so viele Frauen Robert Pattinson, George Cloony oder Leonardo Di Caprio attraktiv? Das sind alles Schauspieler, die tatsächlich äußerlich eher durchschnittlich sind. Aber natürlich gibt es einerseits den Status als Schauspieler und andererseits den bzw. die Charaktere, die diese Schauspieler jeweils darstellen: Häufig starke Männer mit Beschützerinstinkt.
Gerade bei Robert Pattinson, der in Twillight den männlichen Hauptcharakter Edward Cullen verkörpert ist mir der Hype extrem aufgefallen. Als Twilliight in den Kinos lief, gab es viele junge Frauen, die Robert Pattinson plötzlich unheimlich attraktiv fanden.
Der Filmcharakter Edward Cullen war durchaus als Charakter attraktiv: Er war der starke nahezu unsterbliche Vampir, der jederzeit sofort zur Stelle war, um seine Geliebte verletzliche Frau zu beschützen. Ich persönlich fand den Charakter attraktiv, aber den einfachen Schauspieler, wie er beispielsweise in irgendwelchen Klatschblättern präsentiert wurde, sehr unattraktiv.

Genauso geht es mir beispielsweise auch bei Commander Lexa aus „The 100“, gespielt von Alycia Debnam-Carey. Sie ist in der Rolle als starke und teilweise skrupellose Anführerin unglaublich attraktiv und anziehend. Auch die Situationen in denen sie Gefühle zeigt gegenüber der Person, die sie liebt  und sich dann verantwortlich fühlt tragen dazu bei.
Die Schauspielerin selbst ist vermutlich auch sehr attraktiv – vor allem für viele Männer, aber für mich bei weitem nicht so sehr wie der fiktive Charakter Lexa. Ich steh eben auf Anführer ;)
In der neuen Serie „Fear the walking Dead“ spielt sie eine 17jährige, das macht sie nicht unbedingt besonders anziehend.

Ich mache – vermutlich zu vielen anderen – einen Unterschied zwischen dem fiktiven Charakter und der bzw. dem Schauspieler/in. Ich habe das Gefühl, dass viele das nicht tun und die Anziehung, die aufgrund des fiktiven Charakters entsteht auf den Schauspieler projizieren. Hier entsteht eine Verschmelzung bzw. Vermischung von Fiktion und Realität, die ich nicht für gut halte. Dies zeigt aber wiederum wie sehr Status und Charakter eben beeinflussen kann, was jemand attraktiv findet.
Und ich denke, dass trifft nicht nur auf Frauen zu. Auch viele Männer finden beispielsweise Cameron Diaz attraktiv, obwohl sie – wäre sie nicht eine berühmte Schauspielerin – vermutlich von den wenigsten so betrachtet werden würde.

Ich finde es immer wieder interessant, wie vehement oft abgestritten wird, dass der Status beispielsweise bei Schauspielern eine Rolle spielt. Es geht doch nicht mal darum, dass damit viel Geld verbunden ist. Sondern einfach, was mit der Position ausgedrückt wird. Vielleicht ein bisschen Macht und damit auch die Möglichkeit, eine andere Person in gewisser Weise beschützen zu können.

Insgesamt gibt es hier zwei Aspekt: Zum einen den Status selbst und zum anderen die Projektion eines fiktiven Charakters und der mit diesem verbundene Status auf den Schauspieler. Aber am Ende geht es immer um das Gleiche.

Samstag, 12. November 2016

Hillary Clinton: gescheitert, weil sie eine Frau ist

Antje Schrupp hat sich in ihrem letzten Artikel der Kandidatin Hillary Clinton gewidmet und ist (wie viele andere) der Meinung, ihr Scheitern läge an ihrem Geschlecht.
So schreibt sie beispielsweise:

„Es ist eine Haltung, die ich schon länger bei den Beiträgen von Frauen im öffentlichen Diskurs beobachte: Sie werden hoffiert, solange sie nützlich sind, aber wenn sie etwas sagen, das einem nicht passt, dann wird umso heftiger zurückgeschlagen.“

Aber ist das dieses Verhalten wirklich an das Geschlecht gebunden? Ist es nicht viel mehr so, dass jeder Politiker öffentlich nur solange hofiert wird, wie er nützlich ist bzw. eine dem medialen Mainstream passende Meinung vertritt?
Was war mit Wulf? Was mit Brüderle? Sind diese Männer nicht auch wegen Kleinigkeiten fallengelassen worden wie eine heiße Kartoffel? Nicht nur dass, es wurde in den Fällen auch nochmal ordentlich nachgetreten.
Aber wenn so etwas eine Frau trifft, dann liegt es natürlich nur daran, dass sie eine Frau ist.

Auch ihre nächste Schlussfolgerung ist für mich ziemlich schlecht nachvollziehbar:

„Es ist natürlich toll, dass die Demokraten Clinton aufgestellt habe, aber ich könnte mir denken, wenn sie einen Mann aufgestellt hätten – nicht Bernie Sanders, ich glaube nicht, dass er Chancen gehabt hätte, aber einen „Hillarius Clinton“, der hätte gegen Trump gewonnen.“

Wie kommt sie darauf, dass jemand, der genauso ist wie Clinton – nur mit einem männlichen Geschlecht – gewonnen hätte? Meiner Meinung nach gibt es nichts, was ein Argument dafür war, Hillary zu wählen. Bisher konnte keiner ein Argument nennen. Abseits natürlich von den beiden Standard Argumentationen: „Sie ist eine Frau“ und „Sie ist nicht Donald Trump“, aber das halte ich für keine wirklich guten Argumente.
Bei einem männlichen Kandidaten wäre es noch viel schwieriger, denn dann fehlt auch noch das für viele Wählerinnen wichtige Argument „Sie ist eine Frau“.
Ich glaube auch, dass andere Kandidaten gegen Donald Trump gewonnen hätten – ganz unabhängig vom Geschlecht. Vermutlich hätte auch eine Michelle Obama als Kandidatin haushoch gewonnen oder ein Bernie Sanders.
Das liegt aber nicht daran, dass diese Personen Mann oder Frau sind, sondern, dass das Volk sie für weitaus vertrauenswürdiger hält als Hillary Clinton – und vermutlich auch sympathischer.

Und so zu tun als hätten Hillary Clinton oder Obama keine Fehler gemacht ist schon mehr als verblendet meiner Meinung nach:

„Obama war im konservativen Milieu der USA auf eine solche Weise verhasst, dass sich das nur mit Rassismus erklären lässt. Diese acht Jahre aufgestauter Hass auf einen schwarzen Präsidenten, der dann noch nicht einmal richtige Fehler machte, und anschließend eine weibliche Kandidatin, die auch keine Fehler machte – das war zu viel.“

Vielleicht war Obama auch aufgrund dessen Politik verhasst? Man kann auch ein Problem mit einem schwarzen Menschen bzw. mit seiner Politik haben ganz unabhängig davon, ob er schwarz ist.
Ich selbst bin auch ziemlich enttäuscht von Obama. Eines der für mich wichtigsten Wahlversprechen hat er in den Jahren seiner Präsidentschaft immer noch nicht umgesetzt: es gibt weiterhin ein Gefangenenlager, in dem Menschen ohne Prozess jahrelang festgehalten und sogar gefoltert werden. Menschenrechte ausgesetzt. Ja, stimmt hat überhaupt keine Fehler gemacht, dieser tolle Präsident! 
Ach und die fehlerfreie Frau Clinton hat ja nicht nur jegliche kriegerische Intervention der USA befürwortet, sondern aktiv unterstützt. Außerdem freute sich Hillary Clinton über einiges an Spenden von Ländern, die es ebenfalls mit den Menschenrechten (speziell auch Frauenrechten) nicht so genau nehmen. Es gibt haufenweise Gründe dafür, dass Obama oder auch das Clinton nicht gerade beliebt sind bei allen, da muss man nicht die Rassismus- bzw. Sexismuskarte ziehen!
Und aufgrund dessen halte ich die folgende Aussage von Frau Schrupp schon für ziemlich verblednet:

„Ich bin felsenfest überzeugt, wäre Obama weiß gewesen und Clinton männlich und alle anderen Koordinaten identisch – dann wäre jetzt nicht Trump Präsident."

Bei ansonsten identischen Koordinaten sicher nicht! Und davon bin ich jetzt mal felsenfest überzeugt.
Auch die Schreckensszenarien, die von Schrupp entworfen werden, lassen mich ziemlich kalt:

„Wir werden jetzt wieder für Selbstverständlichkeiten und Minimaldinge kämpfen müssen, statt uns darauf konzentrieren zu können, weiter zu gehen. Wir werden nicht Clinton für all die Dinge kritisieren können, die man ihr zu Recht vorwerfen kann, sondern wir werden dafür kämpfen müssen, dass Arme nicht einfach auf der Straße verrecken, dass es nicht alle ganz normal finden, wenn Frauen geschlagen und vergewaltigt werden und so weiter. Mit der Wahl von Trump ist eine Verschiebung der symbolischen Ordnung geschehen.“

Mit keinem einzigen Satz hat Trump jemals gesagt, dass er es in Ordnung findet, wenn Frauen geschlagen und vergewaltigt werden. Und ein paar dämliche Sprüche führen noch lange nicht dazu, dass Verbrechen plötzlich nicht mehr geahndet werden können.
Ja, Trump macht vermutlich eine andere Politik, als sie Hillary Clinton gemacht hätte. Aber die große Vorkämpferin für Frauenrechte ist sie auch nicht gerade. Sie wirkt auf mich eher so, dass sie sich selbst am nächsten ist. Einzig was sie interessiert ist Macht. Und um Macht zu erhalten, erzählt sie dann auch gerne was davon, dass Frauen zusammenstehen müssen. Sie hoffte so auf eine hohen Anteil der weiblichen Wählerschaft. Wäre das tatsächliche ihre ernsthafte Meinung, so würde sie nicht kritiklos Spenden von Ländern annehmen, denen Frauenrechte auf deutsch gesagt „am Arsch vorbeigehen“.
Was Frauenrechte angeht, so ist Clinton kein bisschen besser als Trump – sie sagt es nur nicht  so öffentlich.
Und was Trump von seinem populistischen Gerede tatsächlich in irgendeiner Weise umsetzen kann, ist sowieso noch eine andere Frage. Die USA ist schließlich keine Diktatur. Herr Trump wird sowohl den Senat als auch andere Personen seiner Partei berücksichtigen müssen.

Weiter schreibt Antje Schrupp:

„Ich hatte heute kurz den Gedankenblitz, dass der Umbruch vielleicht so groß ist, dass sogar die Tage von Marine Le Pen und Frauke Petry gezählt sind – als Frauen waren sie gut für eine Übergangszeit, weil sie rechtsextreme Politik im Gewand weiblicher Zivilisation präsentierten. Nach dem Motto: Wenn Frauen das gut finden, wird es wohl nicht so schlimm sein. Aber ich glaube, diese Bastion ist jetzt gebrochen. Trump hat gezeigt: Rechtspopulismus kann man auch im Westen mit Männern an der Spitze gewinnen.“

Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich lese da ein wenig Frauenfeindlichkeit heraus: Le Pen und Petry haben sich also nur als Frauen vor den Karren der Rechtspopulisten spannen lassen, weil diese der Meinung sind, mit Frauen wären Wahlen einfacher zu gewinnen. Ernsthaft?
Kann es nicht einfach sein, dass es auch Frauen gibt, die eine solche Meinung vertreten und sich eben stark politisch engagieren möchten? Glaubt Antje Schrupp wirklich, dass diese Frauen so unfähig sind und sich einfach benutzen lassen? Nur weil das nicht mit dem Weltbild zusammenpasst, dass Frauen gewöhnlich das friedliche Geschlecht sind?
Beate Zschäpe war sicher auch nur Mitglied im NSU, um diesem nach außen hin einen freundlicheren Anstrich zu geben, weil männliche Mörder kommen in der Gesellschaft eben nicht so gut an wie weibliche.

Auch die folgende Behauptung wieder auf das Geschlecht zu projezieren halte ich für komplett falsch:

„Aus den Erfahrungen von Hillary Clinton und Angela Merkel können wir sehen, dass „emanzipierte“ Frauen in dem derzeitigen Politsystem nur Autorität haben, solange sie die große Mehrheit der Bevölkerung hinter sich haben. Sobald sie Konflikte eingehen (wie zum Beispiel Merkel in der Flüchtlingsfrage) werden sie auf eine Weise demontiert, wie es Männern nie passieren würde.“

Für mich ist völlig unvorstellbar, wieso hier suggeriert wird, dass Männern so etwas nie passiert wäre. Ich nehme eher Gegenteiliges wahr: Egal, was Merkel macht, sie ist und bleibt bei den meisten in der Bevölkerung eine beliebte Kanzlerin. Ebenso gibt es kaum Medien, die gegen sie anschreiben – wie es damals beispielsweise bei zu Guttenberg oder Wulf der Fall war. Wäre Merkel ein Mann, hätte sie für ihr Handeln sicherlich schon mehr Probleme bzw. negativere Presse als aktuell.

Zum Ende hin ihres Artikels macht sie einen – wie sie auch selbst sagt – recht schwammigen Vorschlag, wie man handeln könnte, um eine bessere Welt zu schaffen:

„Aber vielleicht könnten wir – also die radikalen Feministinnen – uns mit den anderen Anderen zusammentun. Gezielt die Beziehungen mit denen pflegen, die ebenfalls mit dem Demokratieprojekt, so wie es sich weiße bürgerliche Männer ausgedacht haben, weder „mitgemeint“ noch einverstanden sind. Die auch längst wissen, dass Integration und Anpassung keine echten Optionen sind, sondern nur Simulationen. Also eine intersektional agierende Bewegung aller möglichen „Nicht-Typen“, die die Differenz zu ihrem Motto macht. Vielleicht sowas ähnliches, wie Negri/Haardts „Multitude“, aber nicht als Theorie, sondern als Praxis, in Form einer Politik der Beziehungen. Und auch nicht als einfachen Zusammenschluss, sondern in Auseinandersetzung und Konflikt.“

Mir ist nicht ganz klar, was sie meint. Aber fraglich ist für mich, warum eine Lösung im Konsens eine andere Gruppe ausschließen soll. Warum muss man immer spalten? Eine Lösung , die allen passt sollte alle Menschen beinhalten und nicht nur vermeintlich „andere“. Auch weiße Männer sind Teil unserer Gesellschaft und ich sehe nicht, warum diese weniger Mitspracherecht haben sollten als andere.
Aber was genau ist denn jetzt die Alternativer zum „Demokratiprojekt“, gibt es eine vernünftige Alternative? Diktatur? Monarchie?

Donnerstag, 10. November 2016

First Lady Melania Trump

Donald Trump wird der neue Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und damit wird Melania Trump zur First Lady. Die erste First Lady, die bereits in einer Ausgabe des Männermagazins GQ zu sehen war. Die erste First Lady, die als Einwanderin in die Vereinigten Staaten gekommen ist. Die erste First Lady, die zuvor erfolgreich als Model gearbeitet hat.
Die Presse ist sich einig: Melanie Trump wird eine außergewöhnliche First Lady.

Melanie Trump wurde in Slowenien (damals noch Jugoslawien) geboren und ist somit selbst nicht durch Geburt Amerikanerin, sondern eingewandert. Sie zeigt damit auch eine offene Seite von Amerika, von Donald Trump gegenüber Einwanderern.
Aber Melanie ist noch viel mehr als nur das: Sie ist schön, intelligent und erfolgreich. Bereits bevor sie Donald kennenlernte war sie sehr gefragt als Modell und auf den Titelseiten einiger bekannter Magazine zu sehen.  Daneben wie bereits angedeutet auch nackt in versch. Männermagazinen.
Genau diese Bilder wurden von der Presse im Wahlkampf wieder hervorgeholt, um damit einen Imageschaden von ihr herbeizuführen und dadurch auch Donald Trump bzw. seiner Kandidatur als Präsident zu schaden.
Aber diese Provokation durch die Medien hat augenscheinlich wenig gebracht: Weder haben sie das Image des ehemaligen Models beschädigt noch die Präsidentschaft von Donald Trump verhindert. Ich kann mir auch vorstellen, dass genau das Melania sympathisch erscheinen lässt.  

Ich persönlich fände es interessant, was in Melania vorgeht. Wie geht es einer Frau, einer Einwanderin, deren Mann in der Presse ständig als Sexist und Rassist bzw. ausländerfeindlich betitelt wird?
Einmal hat sie sich zu Wort gemeldet (als es um das alte Video mit dem Spruch ging, bei dem Donald Trump verkündete, er könne Frauen einfach so an die Pussy greifen) und gesagt, das sei nicht der Mann, den sie kenne. Ich denke, es muss unglaublich schwer sein, wenn man tagtäglich lesen muss, dass der eigene Mann, den man liebt und den man selbst vermutlich auch als liebevoll kennt, in der Presse so dargestellt wird.
Mich hätte viel häufiger die Meinung Melanias zu besagtem Thema interessiert.
Schade, dass sie meist nur schweigend neben ihrem Gatten steht und ein schönes Bild abgibt – das kann sie zumindest gut. Sie ist vermutlich auch eine der attraktivsten First Ladies, die die USA je hatte.
Aber vielleicht kommt in Zukunft dann doch noch einiges von ihr, wenn sie sich erstmal in die Rolle der First Lady eingefunden hat.

Montag, 7. November 2016

Privilegien

Manche Menschen haben Privilegien, andere nicht. Was bedeutet das? Und was sind überhaupt Privilegien bzw. wann ist eine Person privilegiert?

Wikipedia definiert:

„Ein Privileg (Plural Privilegien, von lateinisch privilegium „Ausnahmegesetz, Vorrecht“) ist ein Vorrecht, das einer einzelnen Person oder einer Personengruppe zugeteilt wird.“

Also geht es darum, dass es Menschen gibt, die etwas dürfen, was andere nicht dürfen, die spezielle Rechte haben. Das heißt demnach, dass in einer Gesellschaft, in der alle Menschen faktisch gleiche Rechte haben, keiner privilegiert sein kann? Oder ist es nicht viel mehr, dass mit bestimmten Eigenschaften auch bestimmte Rechte und Möglichkeiten verbunden sind. So kann jemand, der viel Geld besitzt problemlos sein Traumauto oder andere tolle Dinge kaufen – er hat also das Vorrecht, sich dieses zu gönnen, was Menschen mit weniger Geld eben nicht können.
Das heißt, bestimmte Dinge sind an die Eigenschaft „vermögend“ geknüpft. Bestimmte andere Rechte und Berufe sind beispielsweise an die Eigenschaft „gebildet“ bzw. „ausgebildet“ für die entsprechende Position geknüpft.

Eine weitere Definition bietet Feminismus 101 an:

„Privileg ist, wie du durch die Gesellschaft angepasst wirst. Es sind Vorteile, die du hast, von denen du denkst, dass sie normal seien. Es ist selbst normal und andere eine Abweichung von dieser Normalität zu sein.Es geht um das Los, von einer niedrigeren Stufe aus zu deinem Vorteil zu handeln.

Da der gesellschaftliche Status auf verschiedene Arten verliehen werden kann – von Rasse  über Geografie bis Klasse – sind alle Menschen in bestimmten Aspekten ihres Lebens privilegiert oder unprivilegiert. Des Weiteren hängt die Dynamik dieses Status stark von der jeweiligen Situation ab, sodass eine Person in einer Situation von einem Privileg profitieren kann, in einer anderen wiederum nicht. Es ist außerdem möglich Situationen zu erleben, in denen Personen gleichzeitig von Privilegien profitieren können, während sie ebenfalls der Empfänger von Diskriminierung in einem Gebiet sind, in dem sie von diesem Privileg nicht profitieren können.“

Im Netz hat sich ein Phänomen breit gemacht, welches als Privilegientheorie bezeichnet wird. Das beschreibt so ziemlich das, was bei der zuletzt genannten Definition erklärt wird: Privilegien wirken sich unterschiedlich aus und ein Mensch kann einerseits Privilegien besitzen, andererseits aber aufgrund anderer Merkmale diskriminiert werden.

Für mich ist allerdings viel mehr der Umgang mit vermeintlichen Privilegien interessant. Manche Privilegien oder Ursachen, die zu Privilegien führen sind angeboren, andere im Laufe des Lebens erreicht bzw. erarbeitet. Angeboren sind beispielsweise Hautfarbe, Intelligenz und zu einem gewissen Teil auch die Optik, sowie gewissermaßen auch die Herkunftsfamilie, d.h. damit verbunden Reichtum oder Armut bzw. soziale Schicht, Liebe oder Gewalterfahrungen etc.
Viele Dinge lassen sich auch im Leben erarbeiten: mit Bildung, Engagement kann man beispielsweise eine gute Stelle bekommen und so den Aufstieg aus Armut und in eine andere soziale Schicht schaffen.

Ist es richtig gerade bei angeborenen Privilegien falsch, diese den entsprechenden Personen vorzuwerfen? Was kann jemand dafür, in ein reiches Umfeld geboren worden zu sein? Richtig ist, diese Person muss vermutlich weniger mit Existenzängsten umgehen als jemand, der in einer Hartz IV Familie aufwächst, aber ist es ihr deswegen vorzuwerfen?
Komischerweise gibt es genug Menschen, die automatisch davon ausgehen, dass solche Menschen sich selbst für etwas Besseres halten. Menschen, die nicht mit Geld aus der Herkunftsfamilie ausgestattet sind, sehen oft verächtlich auf Menschen mit Geld herab.
Und es wird damit entschuldigt, dass diese ja Privilegien hätten…

Ich bin mit einem Privileg geboren worden, was mir manchmal einiges im Leben erleichtert hat, ohne dass ich heute sicher nicht in der Position wäre, in der ich bin: Ich bin hochbegabt. Das heißt, ich bin viel intelligenter als der Durchschnitt, was mir Bildung unheimlich erleichtert. Und auch den Umgang in gewissen Situationen und Schichten beherrsche ich spielend.
Ich bin aufgewachsen in einem kleinen Ort, in einem Umfeld, welches umgangssprachlich wohl als Ghetto zu bezeichnen wäre. (ein Nachhilfeschüler aus „besserem Hause“ sagte mir einmal, er traue sich nichts bei uns nicht alleine auf die Straße. Zu beachten ist, dass es sich dabei um einen 19 jährigen, fast zwei Meter großen sportlichen Mann gehandelt hat).
Ich mag mein Ghetto und meine Freunde von dort, mag es eben auch, sich nicht immer korrekt verhalten zu müssen und perfekt zu artikulieren. „Boah Alter, wie du redest!“ (eine Freundin von mir als ich mich in ihrem Beisein bezüglich eines Rabatts im Geschäft erkundigte).
Und ich habe viel gesehen und erlebt, was man nicht unbedingt mit Privilegien verbindet (ein unfähiges Jugendamt, Selbstmordversuch einer guten Freundin, Drogen, Messerattacken etc.).
Viele Menschen, die mir jetzt begegnen, wissen nichts von meiner Herkunft, von meinem Leben. Sie nehmen mich als allgemein privilegiert war, da ich genug verdiene, um mich zu versorgen, ein schönes Auto fahre etc. Und diese Menschen wollen mir dann erzählen, ich hätte es immer so einfach und keine Ahnung vom echten Leben! Einfach nur, weil sie der Meinung sind, ich wäre wohl mit goldenem Löffel geboren. Da mir persönlich solche (bei mir unzutreffenden Vorurteile) begegnen, finde ich es generell auch nicht gut, so zu denken.
Durch den Besuch eines Gymnasiums hatte ich später auch Freunde, auf die die Bezeichnung mit dem goldenen Löffel tatsächlich zutreffend ist, aber das bedeutet nicht, dass diese Menschen nicht auch Probleme haben oder dass deren Probleme weniger schlimm sind als die anderer Menschen.

Es ist vielleicht schön, wenn man sich bewusst ist, wo man privilegiert ist, und wo vielleicht eher nicht. Aber daraus irgendwelche Vorurteile über andere Menschen abzuleiten ist selbst wieder stark diskriminierend.

Und wie die Definition oben so schön zeigt, ist kein Mensch generell privilegiert gegenüber allen anderen. Und wie meine eigene Geschichte zeigt, ist vieles oft nicht so wie es vielleicht auf den ersten Blick scheinen mag!

 

Freitag, 4. November 2016

Weltmännertag

Am 3. November war Weltmännertag, Ö3 fragte Frauen, was sie tun würden, wenn sie einen Tag lang ein Mann wären:

„Viel Zeit hätte ich da, weil ich bräuchte mich nicht schminken und stylen!“
Natürlich, man weiß ja, die moderne Frau ist immer perfekt gestylt wie das Modell, das einem von den Reklametafeln entgegenblickt. Wohingegen der moderne Mann keine Zeit dafür aufwendet und wie ein Höhlenmensch vor Jahrtausenden herumläuft.
 
„Im stehen pinkeln“
Das ist so ziemlich das Einzige, worum vermutlich nahezu jede Frau die Männer beneidet. Wenn man unterwegs muss und dringend pinkeln, sich dann einfach irgendwo in ein Gebüsch stellen und es laufen lassen… Ja, ich will auch immer und überall im Stehen pinkeln können!
 
„Entspannter arbeiten, weil ich würde ja mehr verdienen!“
Kann es nicht auch sein, dass sie dann gar nichts mehr verdienen würde? Nicht nur die Mehrheit der Topverdiener ist männlich, ebenso die Mehrheit der Bettler! Pauschal zu behaupten, mehr zu verdienen, zeigt allerdings wie weit die Propaganda von den vermeintlichen 23% Gender Pay Gayp schon in den Köpfen der Menschen angekommen ist.
 
„Schauen, dass ich möglichst schnell wieder eine Frau werde“
Ziemlich coole Antwort von jemandem, der mit seinem Geschlecht vermutlich sehr zufrieden und im Einklang ist J
 
Ich habe mir natürlich dann auch Gedanken gemacht, was ich tun würde, wenn ich ein Tag lang ein Mann wäre. Neben dem bereits erwähnten im Stehen pinkeln wäre da auf jeden Fall: Sex haben!
Da ich davon ausgehe, dass es eigentlich recht wenig Unterschiede zwischen Mann und Frau gibt und die individuellen Unterschiede häufig um ein Vielfaches größer sind, möchte ich doch genau die Dinge machen, die mir als Frau nicht möglich sind. Und dass ist zu spüren, wie sich ein Penis beim Sex anfühlt – als Träger eines solchen.
Daneben wüsste ich jetzt nichts wirklich interessantes, was ich machen würde, nur weil ich ein Mann bin. Eigentlich kann ich alles andere, was ich gerne machen würde oder machen möchte auch als Frau machen.

Vielleicht würde ich auch zweimal Sex haben…

Samstag, 22. Oktober 2016

Frauen Vorschriften machen - feministisch?

Auf Telepolis ist ein Text von einer angeblichen Feministin erschienen, in dem sie ihren Frust über andere Frauen auslässt und diese angreift. Im Speziellen Frauen, die aus ihrer Sicht dem Feminismus bzw. der Sache des Feminismus schaden – meist einfach dadurch, dass sie sind wie sie sind.
Gleich zu Beginn schreibt die Autorin:

Feminismus ist nämlich nicht der Kampf von Frauen gegen Männer. Sondern häufig genug der Kampf gegen andere Frauen.“

Wird sonst nicht eher „Frauensolidarität“ (der ich in dieser Formulierung auch kritisch gegenüberstehe) gefordert? Sollte Feminismus nicht das Bestärken von Frauen und ihren Lebensentwürfen sein? Feminismus als Kampf gegen Frauen finde ich irgendwie sehr unglücklich!
Sie sagt, dass sie sich in ihrem Text bewusst gegen Antifeministinnen wendet. Wer aber als Antifeminist gilt, wird von ihr definiert, anhand von Verhalten dieser Personen wie im Folgenden klar wird. So erzählt sie von einer Begegnung im Zug, bei der eine Mann einen blöden Kommentar zum Thema Maulkorb und Frauen machte als sie ihrem Hund diesen anlegte. Diesen Spruch lies sie jedoch ins Leere laufen – niemand lachte. Im Weiteren erwähnt sie Donald Trump, der eine Wahlkampagne hätte, die wie ein „einziger endloser Schwanzvergleich“ funktioniere, und kann nicht verstehen, warum dieser Frauen als Unterstützer hat. Und als nächstes charakterisiert sie die Frauen, die sie hier anspricht, die bösen Antifeministinnen:

Wenn ihr an meiner Stelle im Zug gewesen wärt, hättet ihr nur dämlich gelacht. Hö hö, ja, stimmt, Maulkorb für Frauen, gute Idee. Ihr findet es auch lustig, wenn auf Facebook eine Blondine Bananen isst, indem sie sich selbst am Kopf packt und ihn vor und zurück bewegt. Sicher habt ihr eine Freundin, die ihr markieren könnt. Augenzwinkernd. Ja, so sind wir, gell, wir verrückten Girlies. Und wir stehen drauf, wenn uns einer ordentlich den Arsch versohlt, denn manchmal haben Frauen ein kleines bisschen Haue gern. "Isso."“

Wenn man also nicht alles so ernst nimmt, Spaß hat an möglicherweise sexuellen Anspielungen und darauf steht, den Arsch versohlt zu bekommen, ist man Antifeministin… Völlig unabhängig davon, wie man sich selbst gesellschaftlich einordnet bzw. welche Meinungen etc. man vertritt.
Natürlich können gewisse sexuelle Anspielungen sexistisch und beleidigend sein, aber manchmal auch einfach lustig (Wichtig: es kommt auf den Kontext und die Beziehung der Personen zueinander an!). Und tatsächlich denke ich, dass es für das Leben im Allgemeinen nicht unbedingt schlecht ist, auch mal über so einen Blödsinn zu lachen! Spaß und gute Laune machen einen sicherlich glücklicher als sich frustriert tagtäglich über das ach so antifeministische Verhalten anderer Menschen aufzuregen!
Interessant auch der rhetorische Trick, den die Autorin hier anwendet: Zunächst spricht sie die anderen mit „ihr“ an, anschließend wird auf das „wir“ gewechselt. So springt sie vom Vorwurf an eine vermeintlich andere Gruppe dazu, sich hier als Teil dessen zu präsentieren, die von innen heraus kritisiert. Kritik innerhalb der eigenen Gruppe wird meist offener begegnet als einem Vorwurf von außen. Dass es sich hier natürlich um Vorwurf von außen handelt geht aus dem Rest des Artikels eindeutig hervor.

Direkt im nächsten Absatz beginnt sie dann, entsprechende andere Frauen als dumm darzustellen und verfällt in pauschale Beleidigungen gegenüber zuvor charakterisierten Frauen:

Ihr denkt euch nicht viel dabei, wenn ihr den schmutzigen Spaß mitmacht (Denken ist sowieso nicht eure Stärke). Ihr wollt keine Spielverderberinnen sein. Ihr wollt die Stimmung nicht vermiesen. Ihr wollt zeigen, dass ihr Humor habt und dass ihr keine verbitterten Kampfemanzen seid (ihr habt keine Ahnung, was eine Kampfemanze eigentlich sein soll, aber wenn ihr das Wort verwendet, fühlt ihr euch voll klug). Emanzen gehen euch sowieso nur auf den Geist. Denn eins wisst ihr mit Sicherheit: Ihr seid keine. Ihr habt nichts gegen Männer. Aber eine ganze Menge gegen Frauen.“

Denken ist nicht die Stärke von Menschen, die gerne auch mal schmutzige Späße mitmachen? Vielleicht ist Denken auch einfach nicht die Stärke von Menschen, die ein Problem mit jedem solcher Späße haben. Sie scheinen nicht in der Lage zu sein zwischen ernst und Witz zu unterscheiden. Sie scheinen nicht intelligent genug zu sein, zu merken, dass man als Frau blöde Witze, sexuelle Anspielungen machen kann und diese in so manchem Kontext lustig findet, sich aber dennoch für Gleichberechtigung und Emanzipation einsetzen kann.
Lebt sich doch so viel einfacher mit Vorurteilen!
Der letzte Satz ist besonders interessant: Ist es nicht die Autorin, die hier eine ganze Menge gegen Frauen hat?

Geradezu ironisch/satirisch wirkt der folgende Satz in dem Artikel:

Wenn ihr gegen andere Frauen hetzt, habt ihr das schöne Gefühl, zu den Guten zu gehören, zu denen, die die Welt zu einem besseren Ort machen, weil sie "über sich selbst lachen können", statt immer alles bierernst zu nehmen und mieszumachen.“

Das man den ersten Teil dieses Satzes eins zu eins auf den Artikel bzw. die Autorin übertragen könnte, fällt ihr komischerweise nicht auf. Wer hetzt denn hier nochmal gegen Frauen? Wer hat da gerade ein schönes Gefühl zu den Guten zu gehören?
Wenn man über sich selbst auch mal lachen kann, hat man eben mehr Spaß am Leben. Das hat aber sicher nichts damit zu tun, ob man zu irgendwelchen ominösen „Guten“ gehört. Aber die Autorin scheint genau dies mit ihrem Artikel zu machen: Sie ist die vermeintlich Gute, die anderen Frauen erstmal die Welt erklären muss. Diejenige, die anderen Frauen vorschreiben muss wie man sich angemessen verhält! Ernsthaft?!
Dank Feminismus und Emanzipation sind Frauen heute fähig und in der Lage über sich und ihr Leben selbst zu bestimmen. Man braucht keinen Mann mehr, der einem vorschreibt wie man sich wo zu verhalten hat! Und ich brauche ganz sicher auch keine vermeintliche Feministin, die mir neue Vorschriften macht! Emanzipation: Befreiung! Und nicht das unterordnen über einen neuen Herrscher bzw. Herrscherin. Habe das Gefühl, dass die Autorin abgesehen von Vorurteilen bezüglich „Kampfemanze“ keine Ahnung hat, was Emanzipation eigentlich bedeutet!

Und natürlich hören die Vorwürfe an die vermeintlichen Antifeministinnen nicht auf:

„Nicht nur, dass ihr euch nicht gegen Sexismus wehrt, ihr tragt sogar aktiv zu seiner Verbreitung bei. Euer dämliches Hö-hö-hö beim frauenfeindlichen Spruch des Tages ist nur der Anfang. Ihr tut es nicht absichtlich, aber ihr füttert eure Väter, Ehemänner, Brüder, Freunde und Söhne mit ihrer täglichen Dosis Frauenverachtung, indem ihr selbst die Frauen seid, vor denen sie keine Achtung zu haben brauchen.“

Frauen, die sich manchmal wie beschrieben verhalten, sind also Frauen, vor denen man keine Achtung haben braucht? Ich würde sagen, damit hat die Autorin selbst den frauenfeindlichsten Spruch des Tages gebracht!
Egal, wie jemand sich verhält oder wie dämlich jemand ist, ein jeder Mensch hat Respekt und Achtung verdient. Wenn man dies nun einer bestimmten Gruppe Frauen abspricht, da sich diese nicht regelkonform (nach eigenen aufgestellten Regeln natürlich) verhalten, ist das schon ein Glanzstück an Frauenfeindlichkeit!

Und dann werden die Vorwürfe richtig mies:

„Ihr seid die treibende Kraft hinter weiblicher Genitalverstümmelung, ihr redet dem Imam nach dem Mund, dem Exorzisten, ihr macht für den lüsternen Guru die Beine breit und wettert gegen jene Frauen, die euer masochistisches Spiel nicht mitspielen. Ihr wolltet immer schon pinke Glitzer-Prinzessinnen sein und als weiße Märchenbräute vor den Altar treten und euren Töchtern jeden Samstag die Nägel lackieren und sie so lange mit Kinderschminksets und Barbie-Ausstattung zumüllen, bis sie den Weg zur Kosmetikerinnenausbildung für gottgegeben halten.“

Der Vorwurf zur Genitalverstümmlung ist schon mehr als eine Frechheit! Eine Frau, die mal über einen albernen sexuellen Witz, eine solche Anspielung, lacht ist also nicht nur mit schuld an Genitalverstümmlung, sondern sogar die treibende Kraft?
Eigentlich versucht dieser Absatz den Frauen, die gerne heiraten möchten oder als Kind gern Prinzessin sein wollten zu sagen: Ihr seid schuld, dass die Welt so schlecht ist! Ihr seid schuld daran, dass woanders Frauen beschnitten werden! Ihr seid schuld daran, wenn man vor Frauen keinen Respekt hat. Denn wenn man Kindern Schminke und Barbie zum Spielen gibt, ist das natürlich gleichbedeutend damit, sie beschneiden zu lassen.
Dass die Autorin damit aber eine sehr große Gruppe Frauen verunglimpft, selbst die größte Sexistin ist, fällt ihr wieder mal nicht auf

Irgendwann fällt dann der beste Vorwurf überhaupt:

„Ihr habt kein bisschen begriffen, was Feminismus ist.“

Ich bin Feministin und weiß sehr gut, was Feminismus ist. Habe aber hier das starke Gefühl, diese Frau hat nicht begriffen, was Feminismus ist! Feminismus bedeutet, sich für Rechte von Frauen stark zu machen. Sich für Selbstständigkeit derer und Emanzipation (Freiheit von Bevormundung!) einzusetzen.
Feminismus bedeutet nicht, Handlungen anderer Frauen bzw. ganz Gruppen pauschal abzuwerten, ihnen das Recht auf Achtung abzusprechen und die Schuld an grausamen Verbrechen zu geben (Genitalverstümmlung). Feminismus bedeutet nicht, Regeln für andere Frauen formulieren und selbst bevormundend zu handeln.
Nein, da hat jemand wohl nicht begriffen, was Feminismus ist!

„Das ist traurig genug, aber das Traurigste ist, dass Feminismus manchmal sogar frauenfeindlich sein muss, nämlich dann, wenn es gegen Frauen wie euch geht.“

Richtig! Frauenfeindlichkeit ist natürlich nicht per se falsch, sondern nur, wenn es gegen die Guten, Richtigen, Braven Frauen geht! Alle anderen darf man gerne bekämpfen, beleidigen, bevormunden.
Ich krieg das Kotzen, wenn ich so eine scheiße lese!

Geradezu religiös mutet dann der folgende Satz an:

„Und der Feminismus geht sogar noch einen Schritt weiter. Er setzt sich sogar für Frauen wie euch ein, obwohl ihr es selbst nicht wollt und obwohl ihr es wahrscheinlich nicht einmal verdient. Der Feminismus hält euch und euren rosaroten Töchtern die Hand hin, und er hält es aus, wenn ihr ihn verschmäht und bekämpft. Der Feminismus hält euch die Tür offen, damit ihr irgendwann, falls der Tag kommen sollte, aus eurem selbstgeschaffenen Gefängnis ausbrechen könnt.“

Klingt fast wie eine Kirche, die betont, dass sie auch immer offen ist für die verlorenen Schafe. Diejenigen, die jetzt in einer schlechten Welt leben und sich an den falschen Werten orientieren. „selbstgeschaffenes Gefängnis“ ist eine tolle Bezeichnung für freiheitliche Entscheidungen, die sich an anderen Werten orientieren als den religiös vorgegebenen.

Und zum Abschluss noch ein weiterer rhetorischer Kniff:

„Ihr wollt mich in die Schranken weisen, weil ihr nämlich ganz anders seid und euch keiner in eine Schublade sperren kann, weil ihr nämlich viel mehr drauf habt als die olle Hausmütterchen-Nummer.
Aber wenn das stimmt, dann seid ihr das, was ihr nie sein wolltet, ob es euch gefällt oder nicht. Dann seid auch ihr verkappte Feministinnen, die sich gegen Fremdzuschreibungen wehren. Daran solltet ihr denken, wenn ihr das nächste Mal stillhaltet, weil ihr keine Spielverderberinnen sein wollt. Und in euer Poesiealbum solltet ihr mit Goldstift schreiben: Der Sexismus beginnt im Schweigen seiner Opfer. Oder in ihrem dümmlichen Lachen.“

Also, wer den Artikel gelesen und sich angesprochen gefühlt hat, sollte einfach sein Verhalten ändern. Denn eigentlich seit ihr ja gar nicht so bzw. wollt nicht so sein. Eigentlich wollen ja alle Frauen so sein wie es die Artikel Autorin vorgibt: Bloß nicht über sexuelle Anspielungen lachen, Barbie, Schminke und alles weibliche verteufeln, aber natürlich selbstbewusst Entscheidungen treffen (selbstverständlich nur, wenn diese mit den vorgegebenen Regeln übereinstimmen!)
Ich habe selten etwas frauenfeindlicheres gelesen als diese scheiße! Auch so manch ein fieser Maskulist kann da nicht mithalten. Und dann noch so zu tun, als sei man selbst feministisch und all das sagt man natürlich nur im Sinne der guten Sache… Widerlich!

 

Donnerstag, 20. Oktober 2016

Umgang im Netz

Ich lese viele verschiedene Blogs und Seiten im Netz. Ich kommentiere auch gerne – besonders bei Themen, die mich irgendwie berühren, d.h. entweder bin ich selbst betroffen oder habe mich aus Interesse schon einmal mit der Sache beschäftigt.
Ich kommentiere, wenn mir etwas besonders gut gefällt oder wenn mir etwas besonders negativ gefällt. Wenn ich durch einen anderen Artikel so viele neue Gedanken und Überlegungen im Kopf habe, dann schreibe ich manchmal auch einen eigenen Artikel zum Thema und verweise auf den entsprechenden Artikel.
Auf manchen Blogs ist das Kommentieren angenehme, auf anderen weniger und auf wieder anderen wird man häufig gar nicht freigeschaltet, wenn man nicht zustimmender Meinung ist. Auf denen der letzten Art kommentiere ich gar nicht mehr und lese ich nur noch selten. Ich habe Interesse an Diskussion und unterschiedlicher Meinung, unterschiedlichen Ansichten – das gibt es dort nicht.
Auf ersteren herrscht ein angenehmer Umgangston und es werden sowohl Meinungen der einen als auch anderen Seite akzeptiert und vielfältige Diskussion ist möglich. Unabhängig davon, ob die Person, die den Blog betreibt häufig meiner Meinung ist oder nicht, lese ich solche Blogs sehr gerne.
Das schwierigste ist für mich die zweite Kategorie: Blogs, bei denen das Kommentieren (teilweise) weniger angenehm ist. Hier gibt es interessante Themen, interessante Meinungen und manchmal ernsthafte Diskussion. Aber leider manchmal auch beleidigende Worte gegenüber Menschen mit anderen Meinungen. Sowas mag ich generell nicht. Bei solchen Diskussionen beteilige ich mich nicht. Finde es aber dennoch schade, dass das anscheinend nötig ist.

Andere Blogger, die nicht die eigene Meinung vertreten so niederzumachen, verstehe ich nicht. Kann man das nicht einfach hinnehmen und ignorieren? Oder falls die Person sich zu einem Thema geäußert hat, bei dem man persönlich betroffen ist, zumindest versuchen ohne Beleidigungen, das richtig zu stellen?
Ich auf meinem Blog schalte Beleidigungen – egal ob von meiner Person oder anderen – nicht gerne frei, das vergiftet die Diskussionskultur.
Ein Blog, den ich sehr gerne lese (manchmal durchaus gleicher Meinung mit der Blogbetreiberin, manchmal nicht), hat leider unter dem letzten Artikel eine Art Beleidungsorgie. Das macht mich traurig. Dass jemand, der sonst so gut gewisse Themen analysiert und mit dem man eigentlich gut diskutieren kann, sich auf ein solches Niveau herablässt.

„dumme Tussi“ „peinlicher Fake“ „provokante Scheiße“ „kacke im Kopf“ „treudoofe Dackel“ „gequirlte Scheiße“ „asozialer Psycho“ „Antifeministenarschkriecherin“

Warum muss das sein, warum kann man nicht versuchen ein gewisses Niveau zu halten. Selbst wenn man anderer Meinung ist oder die andere Person nicht leiden kann, so macht das doch die Diskussion komplett kaputt – es führt schließlich zu ähnlichem Verhalten, dass ich auf anderen Blogs so schrecklich finde: Zustimmende Beweihräucherung und gegenseitiges Bestätigen, dass man selbst auf der richtigen Seite steht. Aber vielleicht liegt die Wahrheit ja tatsächlich irgendwo in der Mitte. Und unterschiedliche Blickwinkel lassen sie eben unterschiedlich erscheinen.
Oft ist die Wurzel bestimmter Konflikte, dass man sich missversteht: unterschiedliche Blickwinkel, unterschiedliche Sichtweisen und unterschiedliche Arten zu diskutieren.
Man sollte immer versuchen, auf den anderen einzugehen und notfalls zu fragen, wie etwas gemeint ist, bevor man beleidigend wird.
In den meisten Fällen ist es außerdem hilfreich nach dem folgende Motto zu handeln: „Wenn man nichts sinnvolles/nettes zu sagen hat, sagt man am besten gar nichts!“

Dienstag, 18. Oktober 2016

Ich bin nicht wie andere - und das ist auch gut so!

Auf Edition F ist vor kurzem ein Artikel mit der Überschrift „Ich bin nicht wie andere Mädchen. Doch, bist du! Und das ist auch gut so.“  erschienen. In diesem Artikel versucht die Autorin dafür zu argumentieren, dass man doch besagten Satz nicht sagen sollte, da man andrere damit schlecht machen möchte, um sich selbst besser zu fühlen. Abgesehen davon, dass ich nicht verstehe, warum es bei der Autorin automatisch als „besser“ ankommt, nicht wie andere zu sein, finde ich noch einige andere Kritikpunkte.
So schreibt die Autorin:

Frauen und Mädchen sind komplex. Jede hat ihren eigenen Interessen, Hobbies, Charakterzüge. Es ist unmöglich viele Frauen in ein Stereotype zu pressen, aber genau das macht diese Aussage.“

Und nur ein paar Zeilen später:

„Während wir aufwachsen, lernen wir, das Weiblichkeit gleichbedeutend ist mit Oberflächlichkeit. Wir lernen den Umgang mit Schminke, stibitzen uns Röcke aus Mamas Kleiderschrank und reden mit Freundinnen über unsere viel zu krausen Haare und viel zu breiten Hüften.“

Wirklich komisch, dass ihr gar nicht auffällt, dass sie hier genau das gleiche macht, was sie Frauen vorwirft, die von sich selbst sagen, nicht wie andere zu sein. Es wird ein ominöses „Wir“ geschaffen und so getan, als wären dort möglichst viele Frauen (besonders die Autorin und die jeweilige Leserin) enthalten. Dieses „Wir“ wird nun ebenfalls mit bestimmten Handlungen und Stereotypen belegt. Irgendwie ist das nicht wirklich konsequent.
Was mich den ganzen Text hindurch enorm stört, ist die dauerhafte Bezeichnung von erwachsenen Frauen als „Mädchen“. Edition F richtet sich nicht an Kinder und Jugendliche, sondern an Frauen. Warum also Mädchen. Kaum eine erwachsene Frau würde von sich selbst als Mädchen reden.

Um zum erstgenannten Punkt zurückzukommen, zitiere ich hier noch einen weiteren Teil aus dem Artikel:

„Warum wollen Mädchen und Frauen nicht wie andere Mädchen und Frauen sein? Warum degradieren wir uns gegenseitig durch diesen Satz?“

Warum hier die Aussage „ich bin nicht wie andere“ gleichgesetzt wird mit der Aussage „ich will nicht wie andere sein“ erschließt sich mir einfach nicht. Wenn ich sage, ich bin keine gute Sängerin, so schließt das doch nicht aus, dass ich vielleicht gerne eine gute Sängerin wäre. Dies ist leider ein grundlegender Denkfehler, der sich durch den gesamten Artikel zieht.

„Aber dich deshalb von anderen Frauen abzugrenzen, sie schlecht zu machen, weil man selbst als besonders und toll dargestellt werden möchte, ist auch nicht die Lösung. Oft sind Frauen, die so über andere Frauen sprechen, Menschen die glauben, mit anderen Frauen konkurrieren zu müssen. Vielleicht handeln sie so, um sich selbst attraktiver zu machen. Vielleicht für einen Mann.
Doch indem du sagst: „Hey, ich bin nicht wie die anderen, die du bisher vielleicht hattest!", wertest du ein ganze Reihe von starken, kreativen, wundervollen Frauen kollektiv ab.“

Nebenbei bemerkt, ich möchte mich nicht besonders und toll darstellen, ich bin es einfach! ;) Jeder Mensch sollte sich selbst lieben und toll finden. Sich von anderen abzugrenzen ist doch nicht schlimm. Ich bin keine Sängerin, keine Fußballspielerin, keine Gärtnerin. Und mit keinem Wort sage ich, dass ich besser bin als alle Sänger, Fußballspieler oder Gärtner. Und mit keinem Wort werte ich andere ab, wenn ich die einfache Tatsache erwähne, dass ich nicht bin wie sie. Diese Interpretation ist allein im Kopf der Autorin. Vielleicht hat sie selbst das so gemacht und so gemeint, aber deshalb anderen zu unterstellen, dass so zu meinen, ist eine unzulässige Verallgemeinerung. Denn genau das tut dieser Artikel.

Wenn man Menschen kennenlernt, wenn man Menschen zu mögen beginnt, dann möchte man einfach nicht zu viel Zeit und Gefühl investieren, wenn es keinen Sinn hat. Wenn die andere Person eben jemand möchte, der in grundlegenden Punkten ist wie die Mehrheit (ja natürlich ist jeder einzigartig, dass es aber große Schnittmengen gibt, lässt sich nun mal auch nicht bestreiten), macht es keinen Sinn.
Wenn man nämlich nicht ist wie andere, dann ist das weder besser noch schlechter. Aber wenn man nicht ständig konfrontiert werden möchte mit Sätzen wie „Warum bist du nicht normal“, „Sei doch mal mehr wie andere“, dann ist es eben sinnvoll Menschen früh darüber aufzuklären.
Und in manchen Punkten denke ich tatsächlich oft, es wäre eben einfacher, wenn ich wie andere wäre. Also genau das Gegenteil von der Interpretation der Autorin. Aber letztendlich bin ich zufrieden so wie ich bin und das sollte einfach auch jeder akzeptieren.
Ich bin nicht wie andere und das ist verdammt nochmal auch gut so!
 

Samstag, 15. Oktober 2016

Bilder im Kopf

Die meisten Menschen denken mit Worten, ich denke in Bildern. Wenn jemand einen Satz wie beispielsweise von einer Situation oder Erlebnissen im Urlaub erzählt, so sehe ich die Situationen bildlich vor mir – immer.
Manchmal ist das mit dem Denken in Bildern kompliziert. Wenn ich mir etwas überlege, Ideen habe, so muss ich immer versuchen diese für andere Menschen in Worte zu übersetzen. Manchmal weiß ich genau, was ich meine, was ich sagen will, aber die Worte fallen mir nicht ein. Manchmal fallen mir Worte dafür nur auf Englisch ein. Dann versuche ich über den Umweg zu erklären.

Manchmal sin die Bilder auch ganz praktisch. Wenn ich irgendwohin fahre, wo ich noch nie zuvor war. Dann schaue ich mir Zuhause die Karte an und mache sozusagen ein Foto mit dem Kopf. Wenn ich dann unterwegs bin, kann ich das Bild der Karte im Kopf abrufen und weiß genau, wo ich bin, wo ich abbiegen muss und es lang geht zu meinem Ziel.
Ich brauche kein Navigationsgerät, ich habe die Karte im Kopf.
Manche Karten habe ich dauerhaft im Kopf, andere nur für entsprechende Ziele (beispielsweise Innenstädte bestimmter Städte). Dauerhaft habe ich dagegen eine Europakarte vor meinen Augen, wenn ich sie brauche. Auf der sind die Länder, die größten Städte (teilweise Flüsse und Gebirge) und wichtigsten Autobahnen (beschränkt sich auf diejenigen, die ich schon mal gefahren bin). Außerdem weiß ich ziemlich genau, wo auf der Karte ich mich aktuell befinde und kann auf diese Stelle sozusagen zoomen. Was ich nicht immer weiß, sind die Namen der entsprechenden Autobahnen und Straßen, da ich sie nicht zwingend als wichtig empfinde. Ich orientiere mich eher an deren Verlauf (Kurven, Kreuzungen etc.).
Ich vergesse auch gerne Namen von Straßen, die ich schon einmal wusste: Wenn ich zum ersten Mal irgendwohin fahre, so habe ich meistens den Namen der Zielstraße gemerkt. Wenn ich aber das nächste oder übernächste mal dorthin fahre, so weiß ich die Optik der Straße, aber nicht mehr ihren Namen. Die Namen sind eben nicht so bildlich darstellbar wie das Bild oder der Straßenverlauf.

Das fotographische Merken von Bildern läuft nicht immer bewusst ab. Gestern habe ich mir vorgenommen, Zuhause das Protokoll einer Besprechung zu verfassen. Die Notizen (3 DIN-A4 Seiten) hatte ich während der Besprechung gemacht, dann aber leider auf meinem Schreibtisch liegen gelassen. Als ich Zuhause das Protokoll ausformulieren wollte, merkte ich, dass ich die Notizen vergessen habe.
Ich versuchte also mir die vor mir liegenden Notizen abzurufen – schließlich hatte ich unbewusst ja alles nicht nur geschrieben, sondern auch angesehen (und so quasi „abfotografiert“). So war es mir möglich anhand des Bildes im Kopf alles nachzulesen und das Protokoll ohne vorliegende Notizen zu verfassen.
Diese Erinnerungen halten bei mir meist nicht lange. Bilder, die ich nicht oft wieder abrufe verlieren sich mit der Zeit. Schon ein oder zwei Wochen später, hätte ich vermutlich beim Abrufen nicht mehr alle Notizen erkannt.

Auch beim kurzfristigen Auswendiglernen in der Schule, waren Gedichte, die ich ein bis zweimal durchgelesen habe, kein Problem. Ich bin allerdings immer davon ausgegangen, dass ich eine gute Merkfähigkeit habe. Dass es hingegen nicht normal ist, Bilder zu sehen oder selbst in Bildern zu denken, weiß ich erst seit kurzem. Ich meine, wenn man nicht darüber nachdenkt oder sich mit anderen unterhält, so erfährt man wenig davon, was bei anderen im Kopf vorgeht.
In erster Linie geht wohl jeder davon aus, dass andere die Welt ähnlich wahrnehmen wie sie selbst. Die Farbe, die man als Blau wahrnimmt, sieht vermutlich für alle Menschen gleich aus – es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln. So gab es auch für mich nie einen Grund, daran zu zweifeln, dass alle Menschen in Bildern denken. Bis ich eben las, dass das eine besondere Art des Denkens ist.
Dadurch, dass ich darüber lese, wie andere Leute denken und die Welt wahrnehmen, lerne ich über mich selbst – und auch, meine eigenen besonderen Fähigkeiten besser und effektiver zu nutzen.